Dienstag, 9. Mai 2017

Aufruf zum Schwerwettertraining (Mein Beitrag zu Scheindiskussionen)




Beiträge zu Sinn und Unsinn von Segelscheinen ja funktionieren immer recht gut, daher hier einmal mein bescheidener Beitrag zu diesem Thema. Geschrieben nach einem kurzen, stürmischen Törn sitzend vor, und ich hoffe das letzte Mal in dieser Saison, dem Wärme spendenen Heizlüfter unter Deck. Mein Törn beginnt in Schausende in der Flensburger Förde. Hier gibt es  eine schmale Einfahrt über ein Flach. Weisse Wellenköpfe hetzen quer zur Einfahrt. Der sehr böige Wind drückt die Masten der Boote heulend zur Seite. Kein Wetter zum Auslaufen, wie mir die Hafenmeisterin probiert einzureden. Aber was soll ich hier den ganzen Tag in Schausende? Also gehe ich einmal ans Ende der Hafenmole und schaue mir das Elend an. Wind 6 plus knackige Böen. Sehr kabbelig, aber kein Vergleich zur offenen Ostsee. Zwei weitere Boote sind draussen und stampfen im 2. Reff. Zusammen mit dem heulenden Wind, sieht das erst einmal spannend aus. 

Noch vor 2 Jahren wäre ich nur sehr ungerne ausgelaufen, heute gehe ich da anders ran. Mein Kurs liegt ja mehr oder weniger vor dem Wind bis Flensburg. Sobald ich draussen bin, wird es also unproblematisch. Bleibt die schmale Ausfahrt fast quer zum Wind. Unter Maschine easy, aber was wenn sie ausfällt? Dieses Gedankenspiel mache ich mir bei jeder Ein- und Ausfahrt in Häfen. Einmal vor der Großenbroder Fähre hat es mir diese Praxis bereits einmal Stress und Schäden erspart. Es sind nur gut drei Kabel (welch schönes Wort) , die überwunden werden müssen. Ich rolle etwas Fock aus. Sollte eigentlich reichen um die nötigen ca. 75 Grad Höhe zu laufen. Sonst eben einfach bis zum nächsten Pfahl der die Einfahrt säumt und Leine drüber. Nicht der beste aller Pläne, es ist aber auch höchst unwahrscheinlich, das ich ihn brauchen werde. Dann folgt das Ablegen mit langer Vorleine auf Slip um das Boot hinten zwischen die Pfähle zu bekommen, das hat sich bei mir Einhand und mit Seitenwind bewährt. Klappt auch. So wie die Ausfahrt unter Diesel. Nur unter dem Stückchen Fock habe ich nach Kurswechsel auf Süd schnell 5,5kn auf der Logge. Es bläst ja doch ganz ordentlich. 
 


Was hat das Ganze nun mit Segelscheinen zu tun, kann man sich nach den vielen Zeilen berechtigterweise fragen? Meine einfache Antwort: Erfahrung ist durch keinen Schein zu ersetzen. Wäre ich früher nicht oder nur höchst gestresst ausgelaufen, rufe ich nun einfach Erfahrungswerte zur nüchternen Risikoabschätzung ab. Wind, Welle, die Lage der anderen Boote draußen, Ablegemanöver, Ausfahrt. Alles schon gehabt, auch bei noch mehr Wind und vor allem Welle. Alle Manöver sind im Kopf abruf- und visualisierbar. Ich habe nichts davon beim SBF oder SKS gelernt. Hätte ich aber gerne. Und so schaue ich auf die einzigen Boote die heute neben mir draußen sind. Vor Glücksburg mit Kapuzenmännchen. Vermutlich Schulungsschiffe des DHH, die tapfer im 2. Reff Wenden und Halsen fahren. Focks flattern im Wind, die Boote bocken in der Welle, krängen teils kräftig. Jeder der Teilnehmer muss ordentlich ran, kann aber später bei seinem ersten Starkwindtörn sagen: "Solche Verhältnisse hatte ich schon mal, nicht schön, aber im 2. Reff geht das." Das sind die wertvollen Lernmomente! Dann noch jeder einmal am Ruder, wenn bei Starkwind angelegt wird, da nimmt man dann auch echt was mit. Und alles unter 6 Bft. ist später nur noch halb so schlimm, bis einfach. "Das hatte ich schon viel härter, damals vor Glücksburg....". Ich als mehr oder weniger Autodidakt musste mich da mühsam Windstärke um Windstärke herantasten. So eine Schwerwetterfahrt hätte mich doch sehr viel weitergebracht, als das dumpfe Lernen hunderter von Fragen. Schwerwetter sollte eigentlich Vorschrift sein, so wie die Autobahn- und Nachtfahrt beim PKW Führerschein. Das würde vielen, unangenehmen Aha-Momente von Neuseglern vorbeugen, die noch nicht wissen, das Segeln nur zu Hälfte Genuss und zur anderen harte Arbeit ist. 

Den Vorteil der Scheinebüffelei sehe ich eher darin, dass man sich einmal mit allen Aspekten der Seefahrt befassen muss und die nötigen Begriffe lernt. Um sich darauf aufbauend weiterbilden zu können. Sonst vergisst man das alles schnell, oder schreibt es als irrelevant ab. Bis, ja bis Rasmus es einmal nicht mehr gut mit einem meint. Denn dann ist keine Zeit mehr zum Nachlesen, dann muss das sitzen. Wenigstens im Kopf. Ein Freund von mir spricht immer noch von Seilen, Segel raffen, die Stange vom Groß etc. Gut, es sind nur Begrifflichkeiten, aber die Segelleistungen stehen doch direkt im Verhältnis zu den fehlenden Vokabeln. Da fehlt dann definitiv die Erfahrung um die auswendig gelernten Phrasen in korrekte Handlungen umzusetzen. Fazit: Ein Schwerwettertraining ist nicht unbedingt für Fortgeschrittene, sondern gerade und ganz besonders für Anfänger geeignet! Einmal die See von ihrer rauen Seite erlebt zu haben, gibt eine unglaubliche Sicherheit bzw. sagt einem, ob das mit dem Segeln überhaupt das Richtige für einen ist. Vorschlag: Einmal mit Rainer Tatenhorst von der Yachtschule Eichler bei viel Wind Helgoland und zurück. Das schafft was weg .-)



Mittwoch, 19. April 2017

Endlich Segelfrei!


Da freut man sich nach der langen, dunklen Jahreszeit darauf endlich wieder die Leinen loszuwerfen, die Segel zu setzen und auf die Ostsee hinauszufahren und dann freue ich mich über Segelfrei? Bin ich bescheuert? Die Sache ist so: seit vier Tagen bin ich auf der Ostsee unterwegs, ein verlängerter Ostertörn. Und was macht das, sonst im April eigentlich stets so angenehme Wetter? Es ist kalt und windig oder kalt und regnerisch. Im Wechsel. Klassisches Aprilwetter eigentlich, nur war es die Jahre vorher eben anders. Ich habe zwar warme Klamotten an, aber nach einem ganzen Tag auf dem Wasser kriecht die Kälte dann doch irgendwann und die Zwiebelschichten. Das Thema Segelhandschuhe kursiert ja immer wieder in den Foren, ich bevorzuge aber doch lieber kalte Hände. Das ich diese dann manchmal verzweifelt in ein Paar Socken gesteckt habe, muss ja keiner wissen.


Mein Törn ging von Minde über Höruphav nach Augustenborg. Und von dort an einem langen Segeltag bei sehr böigen 6Bft aus Nordost immer vor dem Wind bis hinein nach Flensburg. (Diese 30 Seemeilen lange Tour kann ich übrigens jedem nur ans Herz legen! Es ist wie eine lange Talabfahrt in den Bergen: Rauschefahrt, Wind immer achterlich und die Welle bis auf das kurze Stück von Sönderborg in die Innenförde immer entspannt). Auf dem Wasser ist es wie immer wunderbar, aber sobald es dunkel wird und die Kälte sich von den Händen auf den Rest des Körpers ausbreitet, fange ich an zu grübeln. Ist das jetzt wirklich so toll? Will ich das nur gut finden, weil ich es eben gut finden will? Ist das echt meine Version von Entspannung? Dazu sei gesagt, das ich, aus welchen Gründen auch immer, nur bei offenen Luken bzw. Fenstern schlafen kann. Und zwar nicht nur eines, sondern zwei damit auch ja Durchzug herrscht. Falls das nicht der Fall ist, verstopft die Nase und ich laufe den nächsten Tag mit fiesen Kopfschmerzen herum. Im Sommer gar kein Problem, ist das bei den aktuellen Minusgraden auf dem Wasser aber nicht so toll. Im Prinzip schlafe ich also wie in einem Kühlhaus mit offenen Türen. Unter der Decke einigermassen angenehm, ist aber jede Extremität, die ihren Weg nach draussen findet, schutzlos der Kälte ausgeliefert. Nase, Füsse, Hände. Irgendetwas ist immer kalt und klamm. Und dann der Moment, wenn man morgens aufsteht. Das Boot ein Eisschrank, die Duschen an Land oft noch nicht funktionsfähig oder nur gegen eine spezielle Münze, die ich aber natürlich nicht bekommen habe. Also schnell in die Klamotten und ab in den Wind, Segeln gehen. Kaum stehen die Tücher, ist alles vergessen und ich atme das pure Glück. Bis zum nächsten Hafen.


Video vom Überführungstörn nach Dänemark


Und während dieser Tage frage ich mich dann, wo ist eigentlich mein "Zeitmillionär" Gefühl geblieben? Das Gefühl der sich endlos dehnenden Stunden und Tage auf dem Wasser? So richtig will es sich nicht einstellen, bis: Heute morgen wache ich erst um 1030h auf. Die Sonne scheint auf das Schiff und es wird so schon langsam warm im Boot. Mein Unterbewusstsein hat wohl im Schlaf schon die Entscheidung gefällt: Heute habe ich Segelfrei!! Kein schnelles Frühstück, kein Fertigmachen des Bootes, keine Wetterberichte. Statt dessen eine warme Dusche und ein bewusst langsames Frühstück. Und ein ganzer langer Tag vor mir. In Flensburg, dieser wunderschönen Stadt. Und plötzlich dehnen sich die Stunden und der Tag kommt mir jetzt schon endlos vor. Ich bin, genau: Zeitmillionär für einen Tag. Nach langem Stadtbummel sitze ich nun im (warmen) McCafe und schreibe diese Zeilen. Und habe keine Idee, was ich mit dem Rest des Tages noch anfangen werde. Großartig!! Ich kann daher jedem Charterer oder zeitlich begrenztem Fahrtensegler nur ans Herz legen, einen Tag Pause in jeden Törn mit einzuplanen. Er verändert die Perspektive und macht einem noch mehr bewusst, wie schön unser Hobby doch ist. Denn oft ist nicht das Meilenfressen die Heilung der Segelsucht, sondern die Auszeit von der Auszeit. 


Mittwoch, 8. März 2017

Every Single Week - Track 13 - (Ballad Of The) Sailing Bassman - Song und Musiker


Making of "(Ballad Of The) Sailing Bassman"

Wie entsteht eigentlich ein Song? Woher nimmst du die Ideen? Warum dauert eine Albumproduktion so lange? Das sind die klassischen Fragen an mich als Songwriter und Produzenten. In der Videoserie "Every Single Week"  stelle ich daher jede Woche eine neue Single aus meinem auf der Ostsee entstandenen Album "Zeitmillionär" vor. Und gebe damit einen Einblick tief hinter die Kulissen des Songwritings und dem "Making of" einer Musikproduktion. Übrigens, jede Single und auch das ganze Album bekommst du hier:




 Making of - Das Video

Hier im Blog möchte ich aber auch einzelne Musiker kurz vorstellen, ohne die die Produktion des Albums nicht möglich gewesen wäre. Und kurz erzählen wie sich unsere jeweiligen Wege gekreuzt haben.

Jürgen Gleba


Mit Jürgen habe ich in der Band von John Barron gespielt. Er ist ein toller Gitarris, ein kleiner Equipmentfreak und daher für den Rockabillysound für "(Ballad Of The Sailing) Bassman" meine erste Wahl. Aufgenommen haben wir zu Hause in seinem privaten Equipmenttempel und hatten dabei eine wunderbare Zeit. Wie auch früher stets bei John in der Band!! Eine der schönen Seiten an dem Musikerjob ist es ja, das man immer wieder so großartige Mensachen kennenlernt wie eben Jürgen.

 
Jürgen und ich bei John Barron - Riders Cafe


Jürgen und ich bei John Barron - Weinscala

Jürgen spielt in vielen Bands. Unter anderem auch bei Micky Wolfs Cigarbox Experiment, den ich ja in Folge 10 hier bereits vorgestellt habe.



Jürgen bei der 1. Cigarboxnight mit Micky Wolf


Hier mit Rhythm '56

Aber es muss nicht immer Rockabilly sein. Auch im Rock ist Jürgen zu Hause und spielt mittlerweile bei RockBuster auch Bass. Sehr vielseitig der Mann!


Jürgen mit seiner Band RockBuster


Michael Prott


Ein paar Worte zu meinem Lieblingssaxophonisten Michael. Seit meiner Musicalzeit Mitte der 90er begegnen wir uns immer wieder. Wenn es um ein gut gespieltes, rotziges Sax geht ist Michael die absolut erste Wahl. Er ist zwar auch im Jazz und vielen anderen Stilen zu Hause (und wir haben diese auch Live performt), aber er ist einfach der Beste, wenn es um Rock'n'Roll geht. Und so durfte er natürlich auch auf meinem Album nicht fehlen. Neben seinen Tracks hat er dabei übrigens auch die Arrangements für die Bläser Sections geschrieben. 


Mit Michael auf der Bühne beim Martini Club. An der Trompete Nic, ebenfalls auf meinen Album vertreten.


Michael bei Franny and the Fireballs

(Ballad Of The) Sailing Bassman

Vocals Dara McxNamara
Backing Vocals Caro Leuzinger
Backing Vocals Kati Schulmann-Reisener
Backing Vocals Mario Schulmann
Drums Oliver Steinwede
Upright Bass Claus Aktoprak
Guitars Jürgen Gleba
Piano Merih Aktoprak
Additional Guitars Claus Aktoprak
Saxophone Michael Prott

Aufgenommen, gemischt und editiert von Jurik Maretzki



(Ballad Of The) Sailing Bassman
(M: Claus Aktoprak T: Claus Aktoprak V: Dolce Vita Songs)

Sailing Bassman, give me Rockn’Roll
Sailing Bassman, and a lot of Soul
Sailing Bassman, I feel so alone
Boppin’ to the music on my own

Sailing Bassman, I got one desire
Sailing Bassman, set my soul on fire
Sailing Bassman, when you sail the world
Find me a perfect girl

If she’s blonde, black or brown
I don’t care at all
Lots of curves, and a pretty face
Plus one braincell, that is all

Sailing Bassman, all my trust’s in you
Sailing Bassman, that you really do
Sailing Bassman, find that girl for me
Set my spirit free
Slap it Mr. Bassman, yeah, uuh

Sailing Bassman, I got one desire
Sailing Bassman, set my soul on fire
Sailing Bassman, when you sail the world
Find my perfect girl

If she’s blonde, black or brown
I don’t care at all
Lots of curves, and a pretty face
Plus one braincell, that is all

Sailing Bassman, all my trust’s in you
Sailing Bassman, that you really do
Sailing Bassman, find that girl for me
Set my spirit free

Sailing Bassman, I got one desire
Sailing Bassman, set my soul on fire
Sailing Bassman, when you sail the world
Find my perfect girl
I hope you find my perfect girl
I hope you find my perfect ... girl