Montag, 17. August 2015

Hinter dem Horizont geht’s weiter – Kurztörn in die Südsee






Letzten Sonntag bin ich aus der Flensburger Förde Richtung Hohwachter Bucht aufgebrochen um dort für meinen Film zu drehen. Der Sturm, der bis vor kurzem noch vor der Hafenausfahrt lag, hatte sich gelegt und es ging mit raumen Winden angenehm aber recht langsam Richtung Kiel. Ich sollte mir doch wirklich mal ein Leichtwindsegel gönnen! Auf dem Weg traf ich dann noch diesen sehr sportlichen Angler weit draussen auf dem Wasser vorm Kieler Leuchtturm. 



Exakt 12 Stunden später habe ich dann im Dunkeln in Schilksee festgemacht und bin direkt in die Koje gefallen. Mein Kameramann Tom kam dann gegen Mittag mit dem Bus und ich hatte mein Boot schon vorzeigbar gemac ht. Wir kreuzten dann direkt gegen den Wind und durch die zahlreichen Sperrgebiete in die Hohwachter Bucht zum Rendevous mit Michel und seiner „Bluebird“. 


Vorm schleswig-holsteinischen Kalifornien trafen wir uns dann und versuchten Tom bei gut einem Meter Welle überzusetzen. Gar nicht so leicht, aber beim dritten Anlauf hat es dann geklappt. Nun fuhr ich jede Menge Manöver vor „Bluebird“. Wenden, Halsen, Butterfly. Mal weiter weg, mal gefährlich dicht vor dem Bug. Fast hätten wir auch noch eine Patenthalse mit Baum gegen den Kopf gefilmt, aber mittlerweile kenne ich das Geräusch kurz vorm Überkommen des Baumes so gut, das ich noch instinktiv den Baum mit der Hand bremsen konnte. Auch ein Vorteil eines etwas kleineren Bootes! Nachdem alle Bilder im Kasten waren kam Tom zurück auf „La Mer“ und wir drehten noch einige Szenen im wunderbaren Abendlicht. Wiederum im Dunkeln ging es dann in den überfüllten Hafen von  Laboe. Tom ging zum Taxi, ich nach einem Fischbrötchen in der Fischküche in die Koje.


Michel wollte am nächsten Tag mit seiner Frau nach Marstal segeln und ich entschloss mich ebenfalls den Schlenker durch die Südsee in meinen Heimweg nach Minde einzubauen. Also ab über den Teich in Richtung Horizont. An das Küstensegeln mit ständiger Landsicht hatte ich mich nach Erwerb meines Segelscheines schnell gewöhnt, aber es kostete mich damals in der Tat einige Überwindung irgendwann in Richtung des leeren Horizontes aufzubrechen und mehrere Stunden nur einem Kurs zu folgen, der mich an den richtigen Ort bringen soll. 


Mittlerweile geniesse ich diese Art des Segelns hinter den Horizont jedoch sehr. Wenn es gut läuft behält man stundenlang nur eine Segelstellung bei, der Autopilot übernimmt das Ruder und es sind so gut wie keine anderen Schiffe unterwegs. Tiefenentspannung. Sitzen, sich vom Meer wiegen und die Seele baumeln lassen. Ab und zu ein Rundumblick und jede Stunde die Position in die Karte eintragen. Kreuzchen für Kreuzchen nähert man sich so seinem Ziel. Der Wind passte fast bis zum Ende, dann musste ich den Diesel starten. Michel war nur kurz vor mir an der Ansteuerungstonne und nach Passieren der betonnten Fahrrinne (mit roten und grünen Bürsten zum Schrubben des Rumpfes links und rechts :-)) konnte ich mich in Marstal dann an seine Bordwand legen. Motor aus, Ruhe, Hafenkino gucken, einkaufen, kochen...Urlaub!


Morgens waren wir dann noch beim Bäcker frühstücken und sehr langsam brach ich dann auf. Die beiden legten Kurs auf Svendborg, ich musste jedoch nun Richtung West mit Windstärke 1 aus der falschen Richtung. Lediglich in der, sich wie eine Autobahn langsziehende, Fahrrinne hinter Marstal war Segeln mit ca. 1,5kn möglich. Und so trieben hier Schiff hinter Schiff langsam in einer Reihe in der strahlenden Sonne hintereinander her. Sommerstimmung pur. 



Irgendwann erreiche ich Birkholm, eine Insel mit nur 10 Bewohnern und winzigem Hafen. Die musste ich mir angucken und fahre durch die sehr schmale Betonnung mit nur sehr wenig Wasser unterm Kiel. Die Strömung vertreibt mich dabei recht schnell, also Konzentration. Ich finde sogar einen freien Liegeplatz und gehe erst auf Fototour und dann schwimmen. Herrlich klares, kühles Wasser. Ich mag gar nicht mehr aufhören. Es ist so schön hier in der Südsee. Dann mache ich mir mein Mittagessen und finde einen Platz auf einer Bank mit Blick auf das Wasser und die vorbeiziehenden Boote. Am liebsten würde ich hier für den Rest des Tages bleiben, aber ich muss noch etwas Strecke machen. 




Also weiter westwärts bis zur Küste von Avernakö. Hier steht am Ostkap ein Haus des bekannten dänischen Reeders Maersk Möller samt eigenem Hafen. Den man natürlich nicht anlaufen darf. Aber man soll hier gut ankern können, also tue ich das. Und geniesse den Abend und später die Nacht zunächst ruhig treibend. 



Ich stelle mir jedoch den Wecker auf 0100h, da der Wind dann etwas drehen soll, werde allerdings schon kurz vorher geweckt. Das Boot bockt und schaukelt und der Wind pfeift in den Wanten. Das geht mir eigentlich bei jedem Ankern so, Rasmus und ich sind da irgendwie ständig uneinig. Ich schaue gar nicht erst hinaus, sondern ziehe mich gleich verschlafen für einen Nachttörn an und starte den Diesel. Draußen ist es so, wie es sich drinnen anfühlt. Die Ankerleine stramm und ruckelige, hohe Wellen. Es macht keinen Sinn hierzubleiben, der Hafen von Söby ist nicht weit und soll im Dunkeln gut ansteuerbar sein.  Also Frühsport und Ankerleine samt 25 Metern Kette per Hand einholen. Dann nur unter Genua Kurs Söby. Was hier auf dem Bild schon recht uneindeutig aussehen mag, stellt sich im Dunkeln aber noch einmal ganz anders da. 

 
Zwei sehr helle Scheinwerfer des Fähranlegers weisen zwar zunächst den Weg, verdecken aber später jede Sicht. Die Einfahrt ist sehr schwer zu finden, es geht eine recht hohe Welle, ich verlasse mich nur auf meinen Plotter und das Echolot und erst wenige Meter vor der Einfahrt sehe ich deren schwarzglänzenden Mauern und schlüpfe in die Sicherheit. Es ist nun 0300h. Ein Platz ist schnell gefunden und, ich bin echt überrascht von einem Mann barfuss im Pyjama erwartet zu werden, der meine Leinen annimmt. Das ist doch mal echt nett. Die Nacht ist kurz, denn erbarmungslos klopft der weissbärtige Hafenmeister um 0800h ans Boot um zu kassieren. Und liefert dazu noch einen gesprochenen Wetterbericht. Ich muss los bevor der Wind noch mehr gegenan kommt und nach nur einem Kreuzschlag runde ich die Nordwestspitze von Aerö, und gehe vor den Wind Kurs Flensburger Förde. 



Erst plane ich Sönderborg, aber das hieße dann wieder gegenan zu kreuzen, also entscheide ich mich für Langballigau. Da war ich noch nie, denn der Name klingt irgendwie langweilig und grau. 



Aber ich finde das genaue Gegenteil vor, nämlich einen der schönsten Häfen an deutschen Ostseeküste. Eng verwinkelt...irgendwo zwischen dänisch und mediterran. Mit Fischbuden und Restaurants. Großartig. Da kein Platz mehr frei ist, lege ich mich einfach mittendrin an zwei Pfähle. Passt. 





Hier lasse ich nun den Törn in Ruhe ausklingen und geniesse die Hafenatmosphäre in vollen Zügen. Frühstücken kann man auf einer Dachterasse mit Blick auf Hafen und Förde. Bis zu meinem Heimathafen Minde sind es nur gute 3 Meilen, dann schliesst sich der Kreis. Sehr, sehr viele Boote sind unterwegs und es begegnet mir wieder einmal eines der wunderbar gepflegten Folkeboote vom Vercharterer Klassisch am Wind!






Wieder einmal kommt es mir vor wie ein 14 Tage Törn, dabei waren es doch nur 4 Nächte. Die Zeit auf dem Wasser folgt ihren eigenen Gesetzen, oder: „Wer mehr segelt, lebt länger!" (zumindestens gefühlt).

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