Sonntag, 13. Dezember 2015

Vorsicht Farbe



Ich kann mir mein Boot eigentlich nur leisten, weil ich eine ganze Menge selber reparieren oder warten kann. Mit Elektro, Motor und Metall hatte ich schon vor meinem Bootskauf einige Erfahrung. Holz und GFK kamen danach langsam hinzu, auch wenn ich hier noch viel Luft nach oben ist. Aber eine Sache ging bei mir noch nie und wird wohl auch nie gehen... das Arbeiten mit Farben und Lacken jeder Art. Ich kann mich noch so sehr konzentrieren und aufpassen, abdecken und abkleben. Am Ende gibt es doch immer Flecken und Kleckse. Oder Abdrücke. Oder Pinselhaare. Oder ich kippe den Farbtopf um. Oder der Pinsel tropft auf den Boden. Gut, Antifouling streichen geht grad noch so, aber danach habe ich dann entweder bunte Schuhe oder Haare und versaute Klamotten. Das Malen liegt einfach nicht in meinen Genen. Dazu kommt dann auch noch, das ich nichts so sehr hasse wie das Abschleifen irgendwelcher Flächen. Ich bin einfach zu ungeduldig dafür.


Hatte mich diese Schlampigkeit nach dem Bootskauf noch echt genervt, finde ich das mittlerweile aber eigentlich gar nicht so schlecht. Denn es spart mir eine Menge Geld und Arbeit, und andes könnte ich mir das Boot wohl auch gar nicht leisten. So kann ich mittlerweile aber sagen: "Ist das Schiff erst ruiniert, pönt es sich ganz ungeniert". Denn wichtig ist am Ende ja nur der Erhalt der Struktur und die Dichtigkeit gegen Wasser. Ob man das nun alles sorgfältig und fachmännisch macht, oder manchmal einfach nur dick transparentes Silikon raufschmiert ist dann nur noch eine Frage der Optik. Eben Hauptsache dicht und hält. An dieser Stelle höre ich natürlich schon den einen oder anderen laut aufstöhnen. Denn das ist sicherlich keine optimale Herangehensweise für teure Holzschiffe oder wertvolle Neuboote. Für meinen alten Plastikeimer von 1977 aber doch eigentlich optimal. Und eben kostensparend, denn ein Großteil der Arbeit und Zeit geht am Ende doch nun einmal für das Dekorative drauf. Mich erinnert das an die Aufgaben der Seeziegen, Polleraffen und Decksantilopen während meiner Marinezeit. Da hieß es sinngemäß: "Alles was lose ist bekommt nen Knoten und alles was rostig ist, wird grau angemalt." Da hat es gereicht und für meine Zwecke muss das auch langen.


Und sogar der Bootsbauer meines Vertrauens im Winterlager teilt meine Ansicht. Er sagt mir immer "Wenn ich das richtig mache wird das zu teuer, das lohnt bei deinem Schiff nicht mehr. Und ich kann dir nur ordentliche Arbeit anbieten. Du kannst das aber gerne selber so und so machen, das geht dann auch." Und bisher hat er immer recht behalten.Verkaufen will ich mein Schiff eh nicht und technisch ist alles OK. "La Mer" ist halt keine Schönheit mehr, aber hat viel Charakter, und das ist doch auch eine ganze Menge wert. Und so gibt es für mich zwei Typen von Bootsbesitzern. Die Bastler und die Segler. Die einen lieben es an ihrem Boot zu werkeln, besitzen alles nötige Werkzeug und es macht sie scheinbar oft glücklicher an ihrem Boot zu arbeiten, als mit ihm zu segeln. Die anderen, so wie ich, wollen einfach immer nur aufs Wasser, sofort und ohne Verzögerung. Und so muss ich im Winterlager nun wieder in der Kälte unter der Plane die Handläufe schleifen und malen, anstatt das mal eben im Sommer schnell gemacht zu haben. Aber da hatte ich ja natürlich gar keine Zeit. Denn ich musste ja jede Minute geniessen!




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