Sonntag, 10. Januar 2016

Schmerzhafte Erinnerungen




Wer von euch war auch schon einmal länger unterwegs? Nicht Wochen, sondern Monate oder auch Jahre? Hat Job und Partner oder Familie zurückgelassen? Hat sich eine längere Auszeit gegönnt? Dann würde ich gerne wissen, wie ihr mit dem Thema Erinnerungen umgeht. Denn ich habe damit so meine Probleme. Warum? Sie tun so weh! Sie erinnern mich an eine der sorglosesten Zeiten meines Lebens. An Freiheit. An Abenteuer. An Unmengen von Zeit. An Glück in seiner reinsten Form. Ist doch super, könnte man denken. Ist es aber nicht, denn jeder Erinnerung haftet dabei auch ein ganz übler Gedanke an. „Werde ich so etwas noch einmal erleben? Werde ich mich jemals wieder so frei fühlen? Werde ich noch einmal für so eine lange Zeit losfahren können?“ 


Schliesslich kann man das ja meistens nicht so einfach wiederholen. Häufig hat es Jahre gedauert sich aus Verpflichtungen zu befreien und sich aus dem Alltag zu lösen. Geld anzusparen um sich dann wirklich auf den Weg zu machen.  Für das große Abenteuer des Lebens. An das man sich immer wieder gerne erinnern möchte. Glücklich und zufrieden bis an sein Lebensende. Aber bei mir will das einfach nicht funktionieren. Bin ich zu gierig, zu undankbar; einfach nicht satt zu bekommen? Ist das der Grund warum ich überhaupt losgezogen bin? Oder geht es euch anderen Auszeitnehmern genauso? 


Das erste Jahr nach der Reise mochte ich gar nicht mehr an die Reise zurückdenken. Danach ging es langsam und stückweise. Meistens in Momenten, in denen ich glücklich und zufrieden im Bett lag, kurz vorm Einschlafen. Und es ist noch jede Erinnerung vorhanden. Jeder Hafen. Jeder Liegeplatz. Jeder Ort und seine Besonderheiten. Die Menschen. Der Hafenmeister. Die hübsche Supermarktkassierein. Alles noch da. Für immer eingebrannt in mein Gedächtnis. Und dann bin ich wieder unterwegs. Und Segel in Gedanken wieder über das Meer. Durch die Schären. Von Insel zu Insel. Und ich bin glücklich. Und dankbar, das ich das erleben durfte. Das ich meine Träume wahr gemacht habe. Ich spüre den Wind und rieche wieder das Meer.


Na gut, das klingt nun plakativ, Aber es stimmt.  Doch ich muss aufpassen. Und wie. Ich darf die Tür zu den verbotenen Gedanken nicht öffen. Ja, nicht einmal durch das Schlüsselloch schielen. Denn die kleine, doch stets präsente Frage, ob ich das noch einmal so erleben werde, lässt meine Tagträume wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Ich fühle mich dann  klein vor dem Leben, hilflos ob meines fremdbestimmten Schicksals und ohne Kontrolle über mein eigenes Leben. Daher meine Frage: Was macht ihr in solchen Momenten? Einfach nicht dran denken? Die Sehnsucht ignorieren oder mit Logik ausblenden? An andere denken, die so etwas nie erleben werden. Die froh über ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen sind? 

Kann ich mich wirklich erst wieder „glücklich“ erinnern, wenn ich noch einmal für lange Zeit loskomme? Ich denke, mir bleibt keine andere Wahl als es herauszufinden.   

Kommentare:

  1. Hi Claus,
    einen so langen Segeltörn habe ich noch nicht gemacht, aber ich habe fünf halbjährige Reisen entweder nur mit Rucksack (und Saxophon) oder zweimal mit einem alten Auto (und Saxophon) gemacht.

    Der Trick diese Erinnerungen in etwas Positives zu verwandeln ist ganz einfach: Du musst nur wissen, dass Du es wieder machst! Wenn nicht dieses, dann nächstes Jahr und wenn nicht nächstes, dann übernächstes. Niemand weiß, was die Zukunft für einen bereit hält, aber die Kraft, um sich einzureden, dass man das vielleicht nie wieder macht (und sich schlecht zu fühlen), ist genauso groß, wie die Kraft, die man aufbringt, um sich einzureden, dass man es garantiert wieder machen wird (und sich gut zu fühlen). Dann wird nämlich jede Erinnerung zur Verlockung, zum Versprechen für eine weitere neu zu machende Erfahrung. Und plötzlich ist der Schmerz weg...

    In Deinem besonderen Fall kommt aber noch etwas hinzu: Vielleicht weißt Du es selbst noch nicht, aber jeder, der Deine Zeilen liest, oder ein bisschen Zeit mit Dir verbringt, weiß, dass Du es wieder machen wirst!

    Alles Liebe
    Klaus

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  2. Hallo Klaus,

    ein Riesendankeschön für deine Antwort. Denn das ist inb der Tat die Antwort auf meine Fragen :-)Der Vergleich des Krafteinsatzes (jeweils positiv oder negativ) ist perfekt. Ist eigentlich logisch, so wie die bekannten Sichtweisen eines halbvollen Glases. Hat sich mir hier aber nicht so offensichtlich gezeigt. Denn es ist ja egal, ob ich nun wirklich noch einmal loskomme oder nicht. Alleine der Gedanke das es sein könnte und sollte, reicht schon aus um mich besser zu fühlen. Ich freu mich!! Weiterhin viel Erfolg bei der Umsetzung deines Traums. Liebe Grüße Claus

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