Montag, 9. Mai 2016

Die Jagd nach dem geheimen Code



Ich bin absolut kein Frühaufsteher. Alles  vor 0930h ist für mich noch tiefste Nacht. Umso erstaunlicher ist es dann jedes Mal für mich, wenn ich mir einen Wecker stellen muss um aus Wetter- oder Distanzgründen früh loszusegeln. Sagen wir 0630h, also absolut mitten in der Nacht, quasi kurz nach dem Einschlafen. Vollkommen benebelt quäle ich mich dann aus dem Vorschiff und gehe zur Morgentoilette. In der Hoffnung dabei irgendwann lebensfähig zu werden. Es ist draussen dann ja meist auch noch dunkel und saukalt. Die Kapuze tief über den Kopf gezogen betrete ich das scheinbar verwaiste Sanitärgebäude und weiche sofort entsetzt zurück. Hektische Betriebssamkeit, Dampfschwaden und am Allersschlimmsten: Gelächter und Gelaber im Licht der Neonröhren. So als hätte ich die Tür zu einer Parallelwelt der guten Laune am frühen Morgen geöffnet. So als landet man nachts kurz vorm Einschlafen beim Durchzappen des Fernsehers auf einer Werbung der AMIGOS oder einer BEST OF SCHLAGER CD. Samt aufgedrehtem Moderator. Kurz gesagt: unerträglich. 
Mittlerweile kenne ich das aber nun schon und betrete die Sanitärgebäude mit Sonnenbrille und Oropax und erledige eilig nur das, wozu mich die Natur zwingt. Duschen und Rasieren verschiebe ich dann auf nachts um 0100h. Nach der Ankunft. Da hat man dann nämlich wunderbar seine Ruhe. Gut Menschen sind verschieden...aber so verschieden? Wer kann denn bitte um 0630h lachen? Höchstens kurz knorrig husten...
Na gut, komme ich mal langsam zum Thema. Ich fühle mich als Morgensspätaufsteher und Abendslangesegler diskriminiert. Nicht in Dänemark. Dort wartet rund um die Uhr ein freundlich leuchtender Automat auf mich, um mich mit Sanitärcodes, WLAN-Codes und Liegeplatzticket zu versorgen. Wenn ich um 0100h nachts irgendwo einlaufe, liebe ich diese kleinen blinkenden Kerlchen. Sie sprechen alle Sprachen, sagen nur das Nötigste und nehmen auch EC- und Kreditkarten. Und warm geduscht und sauber krieche ich dann in meine Koje. Ganz anders jedoch im eigenen Land. Komme ich irgendwo nach 1800h oder maximal 2000h an, stehe ich vor verschlossener Tür. Ungeduscht und dreckig vom langen Segeltag muss ich mir einen Tee zum Aufwärmen machen und dann frierend unter die Decken kriechen. Und irgendwann um 0730h klopft dann auch noch ein zum Schwätzchen aufgelegter Hafenmeister an mein Boot. Fragt nach dem Woher und Wohin während ich nur benommen nach dem Portemonnaie suche. Und natürlich muss ich immer den vollen Preis zahlen, obwohl ich den Service ja nur teilweise nutzen kann. Wegen dieses beknackten Sanitärcodes um den alle so ein Geheimnis machen. Meist kann man ja noch andere Crews um den im wahrsten Sinne des Wortes „Scheiss“-Code bitten. Häufig bekommt man dann auch eine Antwort, aber immer mit gesenkter Flüsterstimme. So als wäre es die PIN der eigenen EC Karte. Verrückt. Man müsste ihn mit Edding auf ein Schild schreiben und am Gebäude befestigen. Für die armen Nachzügler. 
Also führe ich Buch und notiere mir alle Codes derer ich habhaft werden kann. Aber natürlich werden diese auch noch regelmässig geändert. WARUM? Damit man gezwungen wird vor 1800h einzulaufen? Wie gesagt ich fühle mich schwerstens diskriminiert ;-) Wenn es wenigstens einen SMS Service oder Anrufbeantworter gäbe um diese Codes zu erhalten. Ich gönne jedem Hafenmeister von Herzen seinen Job, aber zur Zeit mag ich persönlich jeden Automaten lieber. Denn der lässt mich ausschlafen, nennt mir jederzeit die Codes und quatscht mich nicht frühmorgens voll. Meinetwegen auch gerne in Ergänzung eines Hafenmeisters ausserhalb dessen Dienstzeiten. Denn wenn ich ganz ehrlich bin, mag ich den Plausch mit dem einen oder anderen dieser Kollegen ab und zu doch sehr gerne.




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