Mittwoch, 8. Juli 2015

Invasion der Kapuzenmännchen - Was braucht man wirklich an Bord?



Jedes Mal, wenn neben mir ein Schiff voll eingepackter Menschen mit Leuchtkapuzen anlegen will, ist höchste Alarmstufe angesagt. Es folgen meist Geschrei, Planlosigkeit und akute Gefahr für die Nachbarlieger. Bei einem Schiff mit einem Skipper im Pulli oder anderer „ziviler“ Kleidung besteht diese Sorge eher nie. Das Können der Crew scheint somit umgekehrt proportional zur Klassifikation der Kleidung zu stehen. Schwerwetter Offshore wird offenbar noch vor dem SBF angeschafft, ab einigen 1000 Seemeilen Erfahrung hat man dann wohl keine Lust mehr sich so dick zu verpacken und sucht nach etwas Gemütlicherem. Ohnehin war es mir stets ein Rätsel, warum in den Katalogen der meisten Ausrüster immer die Kleidung den Anfang macht. Und ganz hinten finden sich dann erst Farben, Lacke und Epoxy. Bei meinem alten Boot lese ich daher immer von hinten nach vorne und das Budget reicht dann grad mal für ein paar der hinteren Seiten und nie für die Vorderen. Was braucht man aber wirklich auf der Ostsee? Ich habe einfach mal die Sachen rausgesucht, die ich auch wirklich getragen habe und die irgendwie unter den Begriff Funktionskleidung fallen.

T-Shirts, Unterwäsche etc. lasse ich in der Auflistung weg. Gerade Anfängern möchte ich hiermit eine Übersicht über die wirklich wichtigen und praxiserprobten Kleidungstücke geben. Die alten Hasen haben eh schon ihre eigene Sammlung an Segelklamotten.

Kopfbedeckung: Ich hasse Kapuzen und deren beengendes Gefühl und Sichtfeld. Lieber habe ich eine nasse Mütze auf dem Kopf. Und so gibt es bei mir eine dicke Mütze und eine dünne Mütze (gut bei Wind, aber moderaten Temperaturen). Unter einer Baseballcap wird mir stets zu warm und sie neigt zum Wegfliegen. Bei Hitze und Sonne hat sich für mich übrigens ein Tuch bewährt (Bandana),  welches ich auf den Kopf knote und ständig mit Wasser tränke, um den Kopf zu kühlen.




Sonnenbrille: Ich benutze nur noch polarisierte, auch wenn sie dann teurer sind. Die Sonnenreflexionen auf dem Wasser gehen enorm auf die Augen, und ich möchte einfach nicht mehr ohne eine gute Sonnenbrille sein. Abends spürt man den Unterschied. Und möglichst rundum abschließen soll sie,  um Luftzug von den Augen abzuhalten. 

Schal: Als Glücksbringer und gegen einen steifen Nacken immer am Mann. 

Feste wasserdichte Jacke: Meine gab es sehr billig (€20.-) im Baumarkt. Sie ist warm, wasser- und winddicht und hat viele Taschen.  Irgendwann habe ich sie lieber angezogen als eine bei ebay erworbene spezielle Segeljacke (mit Kapuze).

Kapuzenpulli mit Futter: Allrounder auf See. Hält warm und den Wind ab. Mit der Kombination aus Pulli und erwähnter Jacke ist mir immer warm gewesen. Aber oft auch schnell zu warm.

Leichte wind- und regendichte Jacke: Mir fehlte bisher an Bord immer noch eine leichte, gemütliche Jacke. Die mal eben schnell übers T-Shirt gezogen, oder bei leichtem Regen über den Kapuzenpulli, warm und trocken hält. Ich warte dann gewöhnlich immer zulange und am Ende sind dann alle Klamotten nass. Umso mehr habe ich mich gefreut so eine Jacke  zum Testen von www.12seemeilen.de/ zur Verfügung gestellt zu bekommen. Doch davon gleich mehr.


Handschuhe: Ein Paar mit Fingern gegen die Kälte, und eines ohne Finger zum Arbeiten. Beide sind ein Muss an Bord.



Segelhose: Mein Lieblingskleidungsstück. Die dicke Hose mit Trägern. Bei Wärme auch gerne nur mit T-Shirt. Wenn ich sie nicht anhabe, fühle ich mich wie ein Ritter ohne Rüstung. Verwundbar und unseemännisch. Sie ist warm, schützt die Nieren, ist an den Knien extra geschützt, wasserdicht und kann mit angezogenen Schuhen ausgezogen werden. Einziges Manko, keine Taschen für die Hände. Unter der Hose trage ich dann je nach Temperatur entweder nur Unterhose, lange Unterhose oder Jogginghose.

Schuhe: Schwierig!! Auch hier suche ich noch nach einer Kombination aus wasserdicht und leicht. Zurzeit habe ich entweder Turnschuhe oder Gummistiefel an, doch nichts für mittendrin.

Ende der Liste, das war‘s! Mehr brauchte ich von Mai bis Oktober auf der Ostsee  nicht. 

Und jetzt komme ich also nun wie versprochen zum Test der folgenden Jacke von Marinepool:

 
Ich erhielt sie zum Testen vom Ausrüster
wobei es der Firma sehr wichtig war einen möglichst objektiven Test zu erhalten, der sowohl positive als auch negative Punkte berücksichtigt. Das gefällt mir gut und so fange ich einmal mit meiner Anforderungsliste an diese leichte Jacke an.
  1. Gemütlich, leicht und optisch ansprechend…sonst ziehe ich sie eh nicht an 
  2. Winddicht, aber atmungsaktiv 
  3. Abschließende Bündchen an den Ärmeln gegen den Wind
  4. Anschmiegsamer Kragen
  5. Wasserdicht bei leichtem (auch länger anhaltendem) Regen
  6. Außentaschen für die Hände und eine Innentasche
  7. Einsetzbar an warmen wie an kalten Tagen, also einen größeren Temperaturbereich abdeckend ohne Schwitzen oder Frieren
Jetzt wollen wir doch einmal sehen inwieweit die zu testende Jacke nun meinen Wünschen gerecht wird, und ob sie sogar eventuell einen Platz an Bord findet.


 Gut sieht sie aus. Farbwahl und Schnitt passen sehr gut. Die gesamte Verarbeitung wirkt extrem hochwertig; von den Nähten bis hin zu den Reißverschlüssen mit Zippverlängerungen. Dazu kommen viele Details wie der robuste Aufhänger, das Logo und der Marinepoolschriftzug. Mit der Jacke kann man sich in jedem Hafen sehen lassen, aber sie ist auch gut privat zu tragen, da sie nicht zu segelspezifisch aussieht. Innen ist sie mit einem sehr weichen Material gefüttert. Meine Anforderungen zu Punkt 1 sind damit zu 100% erfüllt. Das weckt mein Interesse auf mehr.


 Also raus in den Wind. Ich trage nur ein T-Shirt unter der Jacke und draußen weht es recht kräftig. Schnell noch die mit Klettband verstellbaren  Bündchen verschlossen, schon bin ich winddicht eingepackt. Von unten dringt noch etwas Luft  ein, aber auch hier (und oben am sehr angenehmen und individuell einstellbaren Kragen) finde ich die Möglichkeit mich mit praktischen Gummis  schnell komplett zu isolieren. Die interessanten Reißverschlüsse mit Gummierung lassen ebenfalls keinen Zug hindurch. Sehr gut! Auch beim weiteren Schreiben dieses Beitrages unter Deck komme ich, nach wie vor komplett isoliert, nicht ins Schwitzen. Punkte 2,3 und 4 sind damit ebenfalls sehr gut erfüllt. 

 
Für den weiteren Test habe ich jetzt erst einmal die passenden Bedingungen abgewartet. Diese bestanden im Laufe einer typischen norddeutschen Sommerwoche aus Regen, viel Wind, Sonne und Abkühlung bei einem Nachttörn. Einfaches Fazit: alle Bedingungen wurden perfekt gemeistert. Das Wasser perlt nur so von der Jacke ab; durch die gummierten Reißverschlüsse dringt auch bei längerem Regen nichts ein. Bei Kombination von Wind und Sonne bleibt man geschützt ohne ins Schwitzen zu kommen und auch nach dem Anlegemanöver schwitzt man nicht übermäßig. Und wenn dann ist es nicht Jacke geschuldet J Sie hält auch nachts ausreichend warm, allerdings muss man dann je nach Bedarf noch etwas über dem T-Shirt anziehen. Ich habe es ja lieber etwas kühler, daher bin ich rundum zufrieden. Dazu habe ich zwei Außentaschen für meine Hände, ein für mich übrigens sehr wichtiger Punkt. 

 
Kurzum, selten habe ich mich in so kurzer Zeit an ein Kleidungsstück gewöhnt (mal abgesehen von meiner Segelhose) und die Jacke hat sofort ihren Platz an Bord gefunden. So fehlt mir dann in der Tat nur die geschützte Innentasche für Portemonnaie und/oder Handy. Andererseits bieten die Außentaschen dafür aber auch genug Platz. Die Jacke kommt mit einer Kapuze und diese ist sogar für mich OK, da sie mit insgesamt 3 Gummis extrem vielseitig verstellbar ist. Wer weiß, vielleicht gewöhne ich mich ja doch noch daran, diese meiner Mütze vorzuziehen?


So, nun bleibt als einzig echter Kritikpunkt für mich der doch recht hohe Preis von €199.-. Andererseits merkt man der Jacke den Preis auch in sämtlichen Details an. Optik, Material, Verarbeitung sind wirklich hochwertig und man kann sich auch mal in exklusiverer Umgebung sehen lassen. Und es fühlt sich auch gut an, mal etwas Hochwertiges zu tragen. Meiner Frau gefällt es sowieso. Der Punkt leichte Jacke ist somit endgültig von meiner Wunschliste abgehakt, jetzt bleibt nur noch die lästige Schuhfrage zu lösen…für alle Hinweise bin ich dankbar!

Kommentare:

  1. Zu den Schuhen kann ich Dir im September mehr sagen, ich habe mich für die Sebago Triton Three-Eye entschieden - mal schauen wie die sich in der Türkei und an Bord schlagen...aber Dein Bericht hier ist schon mal sehr interessant und die Jacke echt toll.

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  2. Danke, dann bin ich mal gespannt auf deinen Testbericht!!

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