Sonntag, 1. November 2015

Luvgier - Premieren auf der HANSEBOOT




Ich habe ja nun schon ein paar Vorträge (ich bevorzuge das Wort Show) mit Live Musik gehalten, aber in der nächsten Woche ist nun für mich Messepremiere. Am Mittwoch den 4.11. und Donnerstag den 5.11. werde ich auf der HANSEBOOT zwei Shows präsentieren. Beide Veranstaltungen drehen sich um mein gerade veröffentlichtes Buch SchärenSegeln, aus dem ich einige ausgesuchte Texte vorlesen werde. Nicht ganz so schwindelerregend wie in diesem Video, aber man bekommt einen Eindruck.


Die Show am Donnerstag dauert 30 Minuten und wird mit Fotos und bewegten Bildern aus den Schären untermalt. Es geht ums Einhandsegeln, das Segeln als Paar, über die Besonderheiten des Segelns in den Schären, um die Passage durch den Götakanal, den Schweden an sich und noch so andere Dinge, die ich so in meinem Buch (und in meinen Vorträgen) beschrieben habe. 


Am Mittwoch habe ich dann sogar eine gute Stunde Zeit für die Show. Und wer mich kennt, ahnt vielleicht schon was passiert? Genau, auch diese Show wird wieder mit Live Musik präsentiert. Ich habe als Sänger und Gitarristen einmal mehr Dara McNamara an meiner Seite und werde selber den Kontrabass bedienen, um die jeweils vorgelesenen Texte  auch musikalisch in Szene zu setzen. 


Und damit komme ich zu einer weiteren Premiere. Wie schon in meinem Blog beschrieben, arbeite ich seit Anfang des Jahres an einem Film über das Segeln und dem dazugehörigen Soundtrack. 


Mittlerweile sind alle 15 Songs, die ich während meiner Reise geschrieben habe, in einem Studio in Hamburg (mit insgesamt 30 beteiligten Musikern) fertig aufgenommen worden und werden aktuell gemischt. Vier Titel werden nun rechtzeitig zur HANSEBOOT fertig und ich freue mich darauf, diese nun endlich in ihrer endgültigen Fassung vorstellen zu können. 


Ich habe wieder einmal viel Leidenschaft in die Vorbereitung der Show gesteckt und würde mich daher natürlich über Zuschauer freuen. Die Show am Mittwochabend kann sicherlich ein schöner Abschluss eines Messetages sein und ich verspreche interessante Texte, tolle Bilder und vor allem gute Musik, damit wir wunderbar zusammen feiern können.

Termine auf der Bühne "Leben an Bord" in Halle B1/Obergeschoss 

Mittwoch, den 4.11. 1830h-1930h
Donnerstag, den 5.11. 1300h-1330h

Montag, 19. Oktober 2015

eBooks - Surfen statt Lesen


Bevor ich mich in letzter Zeit mehr mit dem Thema eBooks beschäftigen musste, ging es mir wie vielen mit denen ich nun über dieses Thema spreche. Deutlicher Tenor: Ein Buch ist nur ein "echtes" Buch, wenn ich es auch gedruckt in der Hand halte. Zum Lesen gehört wohl auch das Anfassen, das Umblättern und das Gefühl ein Buch zum Lesen eben in die Hand nehmen zu können. Und da wir sowieso schon von so viel Kleinelektronik mit Displays umgeben sind, ist man sicher oft auch froh über eine Alternative. Mir ging und geht es prinzipiell genauso und ich würde einen unillustrierten Taschenbuchroman jederzeit der elektronischen Variante vorziehen. Trotz des höheren Preises. Ich liebe ja auch das Gefühl morgens eine echte Tageszeitung zum Anfassen neben dem Kaffee liegen zu haben. Eben Nostalgie pur....


ABER! Und nun kommt mein Zugeständnis an die moderne, digitalisierte Welt. Die Bilder in der Tageszeitung sind eben überwiegend nur schwarz-weiss, auch sind keine Videos eingebunden. Und so benutzen dann auch viele facebook als eine moderne Tageszeitung, voller Klatsch und Tratsch, voller unterschiedlichster Meinungen und Sichtweisen, geschrieben von "Freunden" und eben voller bunter Bilder; bewegt oder unbewegt. Mit Musik unterlegt oder stumm. Irgendwie die ultimative, individuell angepasste Regenbogenpresse des digitalen Zeitalters. Das gleiche gilt natürlich auch für die diversen Online Nachrichtenplattformen und Blogs. Sie sind einfach bunter und lauter und vielseitiger als es jede Druckausgabe sein kann. Und manchmal dabei auch zu laut. Daher ziehe ich morgens immer noch die altmodische Printvariante vor. 


 Wir haben uns doch unbewusst schon längst an diese beiden Welten, mit all ihren Vor- und Nachteilen gewöhnt. Doch dem eBook fehlt häufig  noch die entsprechende Akzeptanz und die meisten Bekannten sagen mir, sie würden lieber mehr Geld für z.B.die gedruckte Version meines Buches ausgeben. Ich möchte hier deshalb einmal deutlich darauf hinweisen, das ich "SchärenSegeln" bewusst als ein Buch für beide Welten angelegt habe. Neben dem reinen Text der Geschichten haben die Bilder und Links zu Videos einen deutlich höheren Stellenwert erhalten als in einem "normalen" Buch. Und man kann und soll in meinem Buch auch blättern und springen können, wie es einem beliebt. Und muss nicht ein Eselsohr in Seite 265 machen, damit man den Anschluss nicht verpasst. Denn auf jeder Seite gibt es etwas Neues zu entdecken, ob Text, Bild oder Video. Das wurde mir auch selbst erst richtig beim Zusammenstellen der Inhalte bewusst und hat meine Einstellung zu eBooks damit nachhaltig verändert. 



Die Bilder (im eBook natürlich alle vollfarbig) wirken auf einem entsprechend großen Display auf schwarzem Hintergrund einfach noch intensiver und leuchtender, und sind von mir auch auf diese Darstellung hin  optimiert worden. Alle Links zu Videos, Musik oder Extrainfos sind direkt anklickbar und das Durchstöbern des Buches wird so eben zu einem richtigen Multimediaerlebnis, wie wir es von facebook her kennen. Als ich die erste Vorabversion des eBooks erhalten habe, hat mich das selbst überrascht. Es macht einfach einen Riesenspaß durch ein Buch zu "surfen", anstatt es wie gewohnt Seite für Seite zu lesen. 


In der Printversion haben wir die Links zu externen Inhalten mit QR-Codes umgesetzt und in der Standardversion sind viele Bilder lediglich in Schwarz-Weiss um einen vernünftigen Preis realisieren zu können. Denn Farbdruck ist nun einmal recht teuer. Und so wird am Ende ein gedrucktes Buch in angemessener Qualität daher immer kostspieliger als ein eBook sein. Andererseits kann ich es selber kaum abwarten die nun endlich erhältliche Druckversion in den Händen zu halten. Denn irgendwie möchte ich das Buch auch "wirklich" besitzen und in mein Regal stellen können. Das ist mir in elektronischer Form dann doch immer noch zu virtuell. Oder bin ich einfach zu altmodisch?

Montag, 5. Oktober 2015

Einhandsegeln - Leben am Abgrund


Nachdem ich unlängst von dem Tod eines Segler gelesen habe, der in Sichtweite von Warnemünde überbordgegangen und ertrunken ist, mache ich mir so meine Gedanken. Es herrschte zur Unglückszeit recht wenig Wind und Welle und das Wetter war gut. Der Segler trug fatalerweise keine Rettungsweste und ging angeblich sehr schnell unter. Die vorherige Überfahrt ging einige Stunden von Gedser bis eben nach Warnemünde. Entweder hatte er die (in diesem Fall eventuell rettende) Weste gar nicht erst angelegt oder, leider sehr menschlich, irgendwann wegen das guten Wetters und der angenehmen Bedingungen abgelegt. Und dann in Sichtweite des Hafens für als nicht mehr nötig befunden. Bis auf die ganz Vernünftigen unter uns Seglern, ein sicherlich nachvollziehbares und selbst schon häufig gelebtes Verhalten. Ich jedenfalls bekenne mich schuldig.

Lifeline und Lifebelt

Dabei habe ich als Einhandsegler nicht mal eine Crew, die mir zur Hilfe kommen könnte. Sollte ich ohne Weste und Lifebelt über Bord gehen, würde es daher schon sehr viel Glück und ein sehr gnädiges Schicksal bedürfen, um nicht das sichere Ende zu bedeuten. Einmal mehr nachdenklich geworden nehme ich mir zum wiederholten Male vor, noch sicherheitsbewusster zu sein. Was ich bei meinen Mitseglern nicht durchgehen lassen würde, erlaube ich mir merkwürdigerweise alleine. Schon merkwürdig. Und die Gefahr lauert ja weniger in den Stürmen oder hohen Wellen. Denn da ist sie zu offensichtlich. Man trägt sowieso Lifebelt und ist generell übervorsichtig in solchen Situationen. Nein, die Gefahr lauert, so wie hier, in der Gewohnheit und der Routine. Mal eben noch schnell aufs Vorschiff gehen um die Leinen klarzumachen oder die Fender bereitzulegen, kennt man doch...

Ohne Bugkorb und Seezaun würde man sich hier anders bewegen
An meinem zweiten Einhand-Segeltag überhaupt, wäre ich auch einmal von einer Motorbootwelle beinahe Überbord geschüttelt worden. So früh in der Segelkarriere war es mir aber eine gute Lehre. Wie schnell hätte aus einer lockeren und relaxten Fahrt etwas sehr Gefährliches werden können, indem es einem mal eben schnell die Füße wegzieht. Eine weitere prägende Erfahrung war das simple Betreten eines Folkebootes. Diese haben ja weder Bugkorb noch Seezaun. Und so tritt man mit einem langen Schritt auf das nackte Deck. Und jeder der das das erste Mal macht, stellt sich dabei übervorsichtig und ungelenk an. Und mal ehrlich: wie sehr schützt einen ein 50cm hoher Seezaun denn wirklich, wenn man aufrecht stehend auf dem schwankendem Deck läuft? Nicht sehr viel, denke ich.

 Statt so...

Langer Rede, kurzer Sinn: Diese beiden Erlebnisse plus sehr viele Törns einhand haben bei mir ein Gedankenmodell  erzeugt, das mir nun immer zur Seite steht. Ich habe nämlich durchaus etwas Höhenangst. In meinem Gedankenmodell beginnt neben dem Boot daher ein sehr tiefer und garantiert todbringender Abgrund. Denn nichts anderes ist das Meer ja für mich, wenn ich einhand segele. Falle ich hinein, falle ich in den Abgrund. Aus. Vorbei. Wie viel vorsichtiger würden wir uns wohl an Deck bewegen, wenn sich ein realer tiefer Abgrund nebem dem Boot befände und nicht "nur" das Meer? Bestimmt würden wir nicht mal schnell aufrecht nach vorne eilen...sondern schön auf allen Vieren mit klopfendem Herzen, oder? Und wohl auch immer mit Gurt (Lifebelt) und Fallschirm (Rettungsweste)? Mir hilft dieses Gedankenmodell enorm, da ich mich nun unabhängig von den Bedingungen immer extrem umsichtig und vorsichtig an Deck bewege. Und vor allem meinen Körperschwerpunkt IMMER über dem Boot halte. Wenn ich mich dann einfach zusammensacken lasse, lande ich wenigstens auf dem Boot und nicht im Wasser. Ich lasse immer eine Hand an den Handläufen bis zu den Püttingen der Wnaten und dann geht es im Sitzen weiter oder maximal in fast gebückter Stellung. Und immer schön vorsichtig und der Gefahr des neben mir lauernden Abgrundes bewusst. Und eben auch immer bei augenscheinlich ungefährlichen Bedingungen.

...lieber so!
Das ist natürlich auch keine ultimative Sicherheitsgarantie, aber sollte doch zumindestens ein Überbordgehen aus Unachtsamkeit deutlich erschweren. Auch wenn Rettungsweste und Lifebelt für Einhandsegler selbstverständlich sein sollten, können sie aber  auch nicht ein Überbordgehen zuverlässig verhindern. Die Vorstellung eines Lebens am Abgrundes mag, gerade für etwas höhenängstliche Menschen, da durchaus hilfreich sein. Mir jedenfalls hat dieses Gedankenmodell schon sehr gute Dienste geleistet. Stellt euch einfach mal vor wie ihr euch auf See an Deck eines Bootes ohne Seezaun (also z.B.: eines Folkebootes) bewegen würdet. Doch schon etwas anders, oder?

Foto: 


Montag, 28. September 2015

Die Ochseninseln - Das verlorene Paradies


Mein letzter Kurztörn brachte mich zu den Ochseninseln in der Flensburger Förde. Sie standen schon länger auf meiner Liste der zu besuchenden Ziele. Laut Törnführer gehört der einzige Steg zur Werft und ist privat. Ich wollte daher einfach nur zwischen der kleinen und der großen Insel für eine Stunde ankern, bevor es weiter nach Flensburg gehen sollte. Aber es kam anders:


Kaum berührte der Anker den Grund rief jemand von der Werft lautstark hinüber. Ich konnte kein Wort verstehen, aber Lautstärke und Gestik deuteten darauf hin, das meine Ankeridee wohl nicht so willkommen war. Ausserdem deutete der Rufende auf den Steg der Werft. Ich nahm das als Einladung und freute mich darauf, die Insel dann wohl auch betreten zu können. Der Steg war glitschig und ziemlich heruntergekommen, aber ich konnte dort gut längsseits festmachen. Kein Boot weit und breit. Der Segen der Nachsaison. In was für eine Idylle war ich gekommen. Alleine an einem einsamen Holzsteg. Das erinnerte mich an ein paar Stationen auf den Aland Inseln im letzten Jahr. Ich hatte ja schon fast vergessen, wie es sich anfühlt einfach mal irgendwo im Nirgendwo an einem Steg festzumachen. Die deutsche und dänische Ostsee bietet ja nur Marinas oder kleine Häfen, und natürlich Ankerbuchten, aber so ein privater Steg ist schon toll. Die Fotos geben das sehr gut wieder, denke ich.





Das Boot war fest, nun wollte ich auf die Insel. Ich war mir nicht ganz sicher, ob das etwas unhöflich ist wegen des Privatbesitzes. Egal, erstmal langsam vorpirschen. Ein Schild heisst einen Willkommen und bittet um Respekt des Privatbesitzes, man könne sich aber gerne umsehen. Na also. Schon kommt auch eine Frau im Rotmann (analog zum Blaumann) samt Hund auf mich zu und begrüßt mich mit einem Schwall von Worten. Ein offenes Ohr scheint hier in der Einsamkeit also sehr willkommen. So erfahre ich von der genauen Ansteuerung und vor allem dem Unterwasserkabel. Daher also kein Ankern erlaubt. Macht natürlich Sinn. Dann geht es um Einhandsegeln, lohnende Ziele in der Ostsee und so weiter. Eine gefühlte Ewigkeit später darf ich dann meinen Weg fortsetzen. Aber gerate sofort in die Fänge des nächsten Insulaners. Der der mich so lautstark am Ankern gehindert hat. Blaumann, Handverband, verwettertes Gesicht und ein Hauch von Alkohol. Das Original eines Inselbewohners und Bootsbauers denke ich mir. Hier sind meine Ohren noch willkommener und ich merke schon, das es mit einem einsamen Inselrundgang wohl nichts werden wird. Aber nett sind sie hier. Und sehr gastfreundlich. Ich erfahre von ein paar Leuten, die sich vor ein Jahren zusammengetan haben um ihren Traum vom Inselleben zu erfüllen. Bootswerft, Gastronomie und Live Musik. Mein Werftarbeiter entpuppt sich als Gitarrist, interessant. Das sehr schöne Restaurant ist voller Instrumente und Plakate vergangener Konzerte.



Abgelegener könnte eine Konzertlocation kaum liegen. Es gefällt mir hier immer besser. Allerdings scheint sich das beengte Inselleben negativ auf die Freundschaften ausgewirkt zu haben, klagt mir der musizierende Blaumann vorsichtig sein Leid. Aber ich schlucke den Köder nicht. Das wäre mir jetzt wirklich zu viel Information auf dieser doch so einladend wirkenden Insel. Ich mache ein paar Fotos und bewundere dieses abgelegene Idyll mitten in der Flensburger Förde. Es soll am 6.10. noch ein Saisonabschlusskonzert mit 3 irischen Musikerinnen geben. Allerdings würde die Fähre nicht mehr fahren und so ist eine Anreise nur auf eigenem Kiel möglich. Angesichts der kleinen und teilweise desolaten Stege wird das dann dort wohl nicht wirklich voll werden. Ich nehme mir jedenfalls vor zu kommen. Falls es meine Zeit erlaubt. Der Blaumann schwelgt mittlerweile in musikalischen Erinnerungen an Ton, Steine und Scherben. Und wer jetzt von denen genau was macht und wie die Rechte verteilt sind. Meine Ohren machen dicht. Zeit zu gehen. Auf dem Rückweg zum Boot geniesse ich noch die Stille und magische Atmosphäre dieser Inseln. Toll. Aber es wird dunkel und beginnt zu regnen. Ich will weiter.



Später erfahre ich dann von den Streitereien der Bewohner, die es bis in die Presse geschafft haben. Von entführten Booten und körperlicher Gewalt ist hier die Rede. Und das von den einstigen Freunden wohl nur einer überblieb. Mein Blaumann. Schade, aber irgendwie auch vorhersehbar. Ich glaube es gibt kaum ein Modell von mehreren Freunden mit einer Geschäfts- bzw. Lebensidee, die nicht irgendwann zerbrochen ist. Häufig am Geld. Ob Zuwenig oder Zuviel...es führt wohl stets zum Streit. Aufgrund der Situation hat sich die dänische Regierung nun offenbar entschieden den Pachtvertrag vorzeitig zu beenden. Schade, aber verständlich. So sympathisch ich das etwas marode Erscheinungsbild auch fand, wird so sicher nicht viel zu verdienen sein und irgendwann droht dann der Verfall. Es wäre schade. Denn mir hat es hier richtig gut gefallen. Über facebook komme ich mit einem Bekannten ins Grübeln. Was hier alles machbar wäre. Mir hat es die Eventlocation angetan, er träumt von einer Werftidee. Und Gastonomie würde hier sicher auch funktionieren mitten in der vielbefahrenen Förde. In Schleimünde habe ich schon einmal viel Potential gesehen, die dortige Giftbude läuft doch extrem unter ihren Möglichkeiten. Gastronomie und Betreiber dort sind ein Witz. Aber hier in der Flensburger Förde. Das wäre doch DAS Ausflugsziel.



Aber möchte ich mir wirklich eine Gastronomie ans Bein binden, auf einer stets pflegebedürftigen Insel. Mit drohendem Inselkoller und Freundesverlust. Ich denke eher nicht. Aber der Traum gefällt mir trotzdem irgendwie...

Samstag, 19. September 2015

The Sailing Bassman - Episode 30 - Die Mutprobe


Susanne Guidera vom Verlag millemari bat mich darum vor der Kamera etwas aus meinem Buch SchärenSegeln vorzulesen. Irgendwo an Bord oder so.... aber da Susanne sich so sehr für das Buch eingesetzt hatte, erschien mir das zu lasch. Daher lese ich nun in 35 Metern Höhe aus dem Mast der Rickmer Rickmers. Nur musste ich vorher dort hinaufklettern. Und da ich nicht ohne Höhenangst bin, fiel es mir alles andere als leicht. Seht selbst...

Meine Premiere als Buchautor



Soeben ist mein erstes Buch zur Reise bei millemari. erschienen. Und zeitgleich zu dessen Veröffentlichung erschien gerade das Kapitel über die Alandinseln im Magazin "SEGELN". 


Eigentlich wollte ich vor einem Jahr einfach nur lossegeln und 6 Monate Freiheit geniessen. Das daraus ein Blog, ein Buch, viele Fotos, eine Musik CD und sogar ein ganzer Film werden würde, hätte ich mir nie zu träumen gewagt. Es bestärkt mich aber nur einmal mehr darin, das man einfach irgendwann nur den ersten Schritt in eine neue Richtung gehen muss, um seinem Leben zu verändern. Es fühlt sich schon aufregend an, sich plötzlich in einem Magazin zu finden, das man selber immer schon gerne gelesen hat. Es hat richtig Spaß gemacht aus allen Bildern und Erinnerungen dieses Buch zusammenzustellen und vom Abenteuer des Segelns in den Schären (Süd-, Ost- und Westschweden, den Alandinseln und, last but not least, quer durch Schweden über den Götakanal) zu schwärmen. Auch wenn ich dieses Jahr dafür nun deutlich weniger auf dem Wasser war, hat sich die viele Arbeit auf jeden Fall gelohnt. Und ich bin natürlich auch ein wenig stolz. Mein besonderer Dank gilt dabei Susanne Guidera vom Verlag millemari. Für ihre Motivation. Für ihren Einsatz. Für ihre Ideen. Für ihre Ruhe im Sturm. Ohne Susanne wäre es wohl nur bei ein paar Schnappschüssen und ein paar facebook Postings geblieben. Neugierig? Hier kann man das Buch bestellen.


http://millemari.de/schaeren-segeln/

Montag, 14. September 2015

Fieser Nachttörn in den Heimathafen - Südseefinale

Hinaus in die Nacht. Weiter kann ich nicht sehen.

Eigentlich dachte ich mein Bericht über meinen einwöchigen Törn durch die dänische Südsee wäre beendet. Das letzte Stück von der Dyvig über Sönderborg bis in die Marina Minde würde sicher nichts besonderes hergeben. Doch es kam etwas anders. Bereits gegen Mittag lief ich in Sönderborg ein, nachdem ich mich mit einem netten Hamburg Motorbootpärchen verquatscht hatte. Ja, auch so etwas kann mir mal passieren. Der Törn war sehr böig, und so beschloss ich erst einmal im Stadthafen von Sönderborg zu bleiben. Es lief eine recht starke Welle hinein, die schon auf die Verhältnisse draussen auf der Förde hinwies. Gegen 2000h kamen immer mehr Boote in den Hafen und mir wurde gleichermaßen langweilig wie übermütig. Ich beschloss daher die noch 13 Meilen bis Minde zu segeln. Macht natürlich auch immer etwas her, wenn man Diesel und Bordbeleuchtung einschaltet und alleine in die Dämmerung an allen Booten vorbei entschwindet. Doch das Hochgefühl hielt genau bis zur roten Tonne in der Ausfahrt aus dem Hafen. Die Welle dort signalisierte schon was auf mich warten würde. Und kaum hatte ich dann alle Abdeckungen verlassen wurde es stockfinster, starkwindig und es ging eine extrem hohe, teils schon brechende Welle. Zweites Reff im Groß und nur noch etwas Fock reichen schon für 30° Krängung und fast 6 Knoten Speed. Für mein Boot schon viel. Mir wurde mulmig, denn ich sah in der Dunkelheit nicht was da draussen auf mich wartet. Andererseits war Zurückkehren jetzt auch keine Option mehr.

Die Wellen wurden immer höher und ich beschloss mich zunächst einmal von der Küste gut fernzuhalten. Ja, nun musste ich da durch und brachte alles ins magische Gleichgewicht des Segelns. Nur mir mir selbst wollte das nicht gelingen. Ein Schreckensszenario nach dem anderen ging mir durch den Kopf. Legerwall, Mastbruch usw. Was war denn bloß los? Was aber eigentlich immer hilft ist Singen, und so legte ich einfach los. Sofort frischte der Wind noch weiter auf, es klang wohl nicht so toll, aber nun war es mir auch irgendwie egal. Interessant wie einfach man mit Singen die Angst besiegen kann. Das ist mir schon einmal irgendwo aufgefallen....Jetzt war ich in so einer "Egal, wird schon werden Haltung". Zumindestens solange bis mich ein gewaltiger Brecher auf die Seite warf. Gewaltig ist natürlich relativ, wenn man sich manche Videos über den Atlantik ansieht, aber mir kam es alleine im Dunkeln gewaltig vor. Kaum kam das Boot wieder hoch, rauschte auch schon der nächste Brecher herein. Was war denn hier los...war das schon Brandung? Und da ging mir auf, das ich ja Kurs über ein Flach nehme. Die sogenannte "Helts Banke". Scheinbar fühlen die vom Wind der letzten Tage gewachsenen Wellen hier schon den 5 bis 6 Meter tiefen Grund und beginnen sich zu brechen. Also ging ich erst einmal so hoch am Wind und spitz zu den Wellen wie möglich. Bloß runter vom Flach.  Nach ein paar Minuten war der Schreck dann auch überstanden. Aber mir ist dabei auch das Singen wieder vergangen. Ich denke mit großem Respekt an die Einhandsegler die sich wochenlang mit dem Wind des Südatlantiks anlegen. Und dabei an Bord übernachten, wissend das es keinen Hafen in der Nähe gibt. Und das tage- und wochenlang. Hut ab. Ich jedenfalls kann nach 30 Minuten dann endlich immer mehr vor den Wind gehen und in die Förde hineinfahren. Das Groß zerre ich noch hinunter und habe dann nur unter Mini Fock und immer noch 6 Knoten Fahrt endlich Ruhe das Adrenalin loszuwerden. 

 Nur unter diesem Handtuch geht es mit 6 Knoten vor dem Wind

In Minde ist ein Hafenfest in Gange und keiner registriert den einsamen Segler der sich mühsam mit einem Handscheinwerfer seinen Weg in den Hafen sucht. Fest! Jetzt nur noch unter die Dusche und ins Bett. Was war das für ein Abschlussritt einer wunderbaren Woche in Dänemark. Und wieder fühlen sich die paar Tage an wie 2 Wochen. Es ist schon fast Magie was das Segeln mit der Zeitwahrnehmung machen kann.