Sonntag, 22. November 2015

Am Ziel meiner Wünsche?


Am Ziel deiner Wünsche wirst du jedenfalls eines vermissen: dein Wandern zum Ziel.
(Marie v. Ebner-Eschenbach) 

Es schneit. Das Boot steht sicher an Land und es kommt die Zeit der Träume, Wünsche und Planungen für das nächste Jahr. Wenn es wieder hell und warm ist. Und der Schnee geschmolzen. Und mitten in dieser Traumphase stolperte ich über das obige Zitat. Leider hat sie so recht, die gute Marie. Das Leben funktioniert nicht auf Basis dauerhafter Zufriedenheit nach einem erfüllten Wunsch. Denn es folgt immer unweigerlich der Nächste. Und die Lust auf eine erneute Wanderung .Und so suchen wir uns ständig einen komfortablen Platz im Leben irgendwo zwischen Ankunft und Aufbruch. Zwischen Dankbarkeit über das zuletzt Erlebte und Neugier auf das noch Unerlebte. Kurz gesagt: Nützt ja nix, es muss immer weiter gehen. Und während draussen der Schnee fällt, bin ich Gedanken auf dem Wasser und auf der Suche nach neuen Zielen. 


Konkret:

Plan 1: Anfang Juli wird es für 14 Tage in die Karibik gehen. Auf eine Charteryacht irgendwo über 40 Fuss. Zu viert. Meine Frau und ich plus ein weiteres Paar. Das Schöne daran: ich darf skippern und als Dankeschön muss ich nichts zur Charteryacht zuzahlen. Ein Angebot, das man wahrlich nicht ablehnen kann. Und über das ich natürlich ausgiebig berichten werde. Einziger Wermutstropfen: die Jahreszeit, da in der Karibik dann schon langsam die Hurrican Saison beginnt. Deren Schwerpunkt liegt jedoch im September und Oktober. Und man wird auch ca. 3 Tage vor Eintreffen eines Hurricans gewarnt. Das sollte dann doch reichen um im ja doch unwahrscheinlichen Fall der Fälle zur Basis zurückzukehren. Die Charter wird vorraussichtlich von und bis Martinique verlaufen. Über alle Hinweise und Tipps zu Region und Jahreszeit würde ich mich natürlich riesig freuen!! Das sichere Ankern dürfte wohl die größte Herausforderung sein. Und da sind Rasmus und ich bisher noch immer aneinandergeraten.


Plan 2: Im August soll es dann eine Woche auf einem Mietkajak durch die Alandinseln gehen. Die Region hat mich 2014 so fasziniert, das ich unbedingt wiederkommen wollte. Doch diesmal wegen der weiten Anreise nicht auf eigenem Kiel, sondern eben mit einem Mietkajak. Denn die Aussicht auf noch einsamere und mit dem Segelboot unerreichbare Plätze, hatte sich schon damals in meinem Kopf festgesetzt. Und Kajak, Zelt und Kocher erscheinen mir dafür einfach ideal. Man schaue sich nur mal die Bilder unter diesem Link an:
http://www.visitaland.com/de/services/nimix-kajakuthyrning/
Die Idee dahinter ist die Erforschung des nicht richtig kartographierten Seebärenfahrwassers - siehe dazu meinen folgenden Blogbeitrag
http://luvgier.blogspot.de/2015/04/das-seebarenfahrwasser-eine-wirklich.html 
Ich sprach darüber auf der Hanseboot mit Christian von den STRANDpiraten
https://www.facebook.com/STRANDpiraten-385024711692923/?fref=ts
Und seitdem lässt mir die Idee keine Ruhe. Christian hat eine Art vorausschauendes Echolot von Navionics erhalten mit dem man sich seinen Weg suchen und gleichzeitig aufzeichnen kann. Mein Ziel ist es eine Route festzuhalten, die immer mindestens 3 Meter Wassertiefe garantiert. Dadurch wird die Welt zwar nicht wirklich besser, aber ich halte es für eine sehr schöne und lässige Aufgabe. Und die Aussicht auf 7 Tage und Nächte alleine unter freiem Himmel finde ich ziemlich cool!


Es ist lange her, das ich das gemacht habe. 2007 irgendwo in Schweden. 

Plan 3: Aufgrund von Buch, CD und Film musste ich es dieses Jahr verschieben. 6 Wochen westschwedische Schären. 2016 soll es aber nun wirklich klappen. Plus ein zusätzlicher Wunsch. Ich würde gerne einmal 3 Tage und Nächte am Stück durchsegeln. Mit einem Kumpel samt Wachplan und Wachwechseln. Davon träume ich schon sehr lange. Am meisten reizt mich wohl dabei die Aussicht in meiner Koje zu liegen, das Wasser am Rumpf vorbeirauschen zu hören und mich um nichts kümmern zu müssen. Einfach langsam wegdämmern mit Blick auf den Himmel durch den Niedergang und beim Wachwechsel eine ordentliche Zahl Meilen ersegelt zu haben.



Dazu noch Gesundheit für alle die ich kenne und eine wieder friedlichere Welt. Zu der ich übrigens lieber mit Spenden und Gang zu den Wahlurnen beitrage als mit  facebook Kommentaren. Das Medium nutze ich lieber zur  Information aus unterschiedlichsten und informierten Quellen als zur Verbreitung meiner persönlichen - und teils durchaus wechselhaften - Meinung.

Und schon wäre das Jahr 2016 perfekt! Na mal sehen was noch so kommt. Bis Sylvester ist es ja noch ein Weilchen hin.

Mittwoch, 11. November 2015

Meine sehr persönliche Sensationen auf der HANSEBOOT


Eine Sache hatte ich ja schon im letzten Winter auf der BOOT in Düsseldorf realisiert: Wenn man sein Boot einmal für eine monatelange Reise ausgerüstet hat und damit zufrieden war, gibt es in den Zubehörhallen nur noch wenig zu entdecken. Und auch neue Boote interessieren mich eigentlich auch nur aus Neugier. Eine große Hallberg-Rassy und eine Scalar habe ich mir mit meinem Kumpel Mike angesehen. Fazit: Ja, ganz nett aber...hmmmm! Es gibt Polster, einen Tisch, eine Pantry, eine Toilette, ein Cockpit...eigentlich nichts was ich nicht auch an Bord habe. Zugegeben alles neuer und schicker, aber wären meine Reisen auf so einem Boot anders? Klare Antwort: Nein! Denn mir geht es um das Segeln und das Erkunden neuer Häfen. Das Erleben  unbekannter Ziele und die Freude auf dem Wasser unterwegs zu sein. Und all das habe ich. Und es würde sich durch schicken SchnickSchnack nicht weiter verbesseren. Zugegeben natürlich auch nicht verschlechtern. Aber um welchen Preis? 


Da tickt natürlich jeder anders, aber ich bleibe meinem alten Mädchen treu. Denn da weiß ich was ich habe und welche Ziele ich erreichen kann. Nachher lache ich mir noch eine anspruchsvolle Luxusbraut an, die einem das Geld nur so aus der Tasche zieht? Lass mal! So habe ich am Ende nur 2 Rollen Klebeband für meine Plane gekauft. Wohl sicher nicht das, was sich die Aussteller auf einer Bootsmesse so erhoffen. Also werde ich wohl wieder etwas von dem nicht für SchnickSchnack ausgegebenen Geld spenden, so wie im letzten Jahr an Marc Naumann von den Segelrebellen. Und da war es sehr gut investiert, wie man auf deren Website sehr schön sehen kann:

http://www.segelrebellen.com/ 
http://www.segelrebellen.com/live-blog-unterwegs/

Leider habe ich Marc auf der Messe verpasst. Aber generell war das Treffen mit anderen Seglern auf der Messe mein diesjähriges Highlight. Ich habe mit vielen anderen Autoren (unter anderem auch wieder mit Marc) ja einen Beitrag zu dem Buch "Gewittersegeln" geleistet. Aber gesehen habe ich bisher nur sehr wenige meiner Mitautoren. Auch wenn man sich von facebook kennt. Richtige Freunde kann man aber eben nur im richtigen Leben haben, und so war es einfach genial auf der HANSEBOOT ein paar (oder auch ein paar mehr) facebook Gesichter einmal "in echt" zu treffen. Und über zukünftige Pläne, neue Ideen (die Seebärenroute per Kajak ausloten mit Christian Strand) und mögliche neue Liegeplätze (Holland, Elbe) zu sprechen. Und auch der Abend im "Altamira" mit Susanne und Thomas von millemari, mit Dara und mir wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Schön wars!

Nun aber zu meinen persönlichen Sensationen auf der Messe:

Ich hatte dort zwei Vorträge, und eine davon sogar mit Live Musik und em einmaligen Sänger Dara McNamara an meiner Seite. Und mein Buch "SchärenSegeln" samt Kalender wurde präsentiert. Alles spannend und für mich auch aufregend, bin ich ja eigentlich eher mit anderen Musikern auf der Bühne, als mich so ganz alleine zu präsentieren. Ungewohnt und auch aufregend, aber für sich genommen noch keine Sensation. Was nun aber wirklich großes Kino war, waren die Reaktionen. Die persönlichen Kontakte und die Storys drumherum. Und mein erstes verkauftes Buch samt gewünschter Signatur...


OK, das allererste ging an Andreas Pappert von http://www.centerpromotion.de/ der auch einen Teil der Tonanlage für den Livevortrag beigesteuert hatte. Hier nochmals DANKE!! Aber den kannte ich ja schon vorher.

Aber dann stand plötzlich dieser nette Herr vor mir und sagte, er hätte gestern nur das Ende des Vortrages gesehen und sei heute noch einmal wiedergekommen um alles von Anfang an zu hören. Und um das Buch mitzunehmen. Das aber nur signiert. CDs habe ich ja schon einige von der Bühne verkauft, das hier war nun aber Premiere. Die Sensation für mich ist nun nicht der Kauf an sich, sondern das es mir gelungen ist etwas weiterzugeben. 


Und dann waren dort noch Svenja vom Blog http://www.windwellen.de/ und ein weiterer Bekannter von meinem ersten Vortrag in Hamburg. Bei beiden habe ich zumindestens einen kleinen Anstoss gegeben, ihre Träume von einer langen Segelreise wahr werden zu lassen. Bei Svenja waren es drei Monate, bei ihm sogar 5 Monate einhand rund Ostsee. Und beide kamen sie extra um noch einmal ein paar Worte zu wechseln. Das geht schon unter die Haut! Svenja konnte ich sogar eine kleine Vorabprobe des kommenden Albums mitgeben, wie schon so oft versprochen. Und dann wurde ich auch immer wieder auf den Titel "Ich geh' segeln" angesprochen. Den habe ich am Mittwoch dort auch mit Dara live gespielt. Leider mit nur einem Viertel der Lautstärke, die mir so vorschwebte. Aber egal. Der Song scheint ja doch bei vielen etwas anzusprechen, wie mir vor Ort und im Netz oft gesagt wurde. Das freut mich und motiviert wahnsinnig dieses Riesenprojekt "eigene Platte" und Film zu Ende zu bringen.


Und darum ging es mir ja von Anfang an. Ich möchte einfach nur in die Herzen der Zuhörer vordringen um dort etwas zu hinterlassen. Seien es nun Träume, Ziele, Ideen, Emotionen, Entscheidungen oder was auch immer. Hauptsache es bleibt hängen. Und wenn dann jemand sagt: "Damals auf der HANSEBOOT beim Vortrag" oder "Als ich diesen Song das erste Mal gehört habe" oder "Nachdem ich das Buch gelesen habe" ist etwas mit mir passiert, dann ist mir das unendlich viel wert. Denn mir ging es selbst so bei ähnlichen Events und das möchte ich nun weitergeben. Warum? Das ist nicht ganz einfach zu erklären. Es geht eben darum etwas zu hinterlassen. Die dazu passenden recht spirituellen Gedanken kamen mir irgendwann auf der langen Reise und sind in diesem Post wiederzufinden (nur falls es jemand ganz genau wissen möchte)

http://luvgier.blogspot.de/search?q=landhebung

Die halbe Platte ist nun fertig gemischt, der Filmschnitt geht voran und langsam aber sicher komme ich in die Endphase! Eines ganzen Jahres an Arbeit. Aber es ist die Resonanz, das Feedback von so vielen netten Menschen, das mich immer wieder antreibt weiter zu machen. Und mir zeigt, das ich auf dem richtigen Weg bin.


Zum Abschluss noch der Text zu "Ich geh' segeln", die Akkorde werde ich auf Wunsch noch nachliefern, sobald der Titel ganz fertig ist. Im Video ist noch die Demofassung zu hören.

Endlich Sonne in den Strassen
So macht Leben wieder Sinn
Ich sollt eigentlich längst da sein
Wo ich jeden Morgen bin
Doch ich geh da heut nicht hin
          
Ich geh segeln          
Raus aufs Wasser,       
in den Wind          
Ich geh segeln              
Mir egal, wo ich morgen bin

Ohne Arbeit ohne Eile
Treib ich langsam vor dem Wind
Sonne mich in Langeweile
Ich bin so glücklich wie ein Kind
Das ich abgehauen bin

Ich geh segeln
Ich hab Luvgier, will an Wind
Ich geh segeln
Mir egal, wo ich morgen bin





Sonntag, 1. November 2015

Luvgier - Premieren auf der HANSEBOOT




Ich habe ja nun schon ein paar Vorträge (ich bevorzuge das Wort Show) mit Live Musik gehalten, aber in der nächsten Woche ist nun für mich Messepremiere. Am Mittwoch den 4.11. und Donnerstag den 5.11. werde ich auf der HANSEBOOT zwei Shows präsentieren. Beide Veranstaltungen drehen sich um mein gerade veröffentlichtes Buch SchärenSegeln, aus dem ich einige ausgesuchte Texte vorlesen werde. Nicht ganz so schwindelerregend wie in diesem Video, aber man bekommt einen Eindruck.


Die Show am Donnerstag dauert 30 Minuten und wird mit Fotos und bewegten Bildern aus den Schären untermalt. Es geht ums Einhandsegeln, das Segeln als Paar, über die Besonderheiten des Segelns in den Schären, um die Passage durch den Götakanal, den Schweden an sich und noch so andere Dinge, die ich so in meinem Buch (und in meinen Vorträgen) beschrieben habe. 


Am Mittwoch habe ich dann sogar eine gute Stunde Zeit für die Show. Und wer mich kennt, ahnt vielleicht schon was passiert? Genau, auch diese Show wird wieder mit Live Musik präsentiert. Ich habe als Sänger und Gitarristen einmal mehr Dara McNamara an meiner Seite und werde selber den Kontrabass bedienen, um die jeweils vorgelesenen Texte  auch musikalisch in Szene zu setzen. 


Und damit komme ich zu einer weiteren Premiere. Wie schon in meinem Blog beschrieben, arbeite ich seit Anfang des Jahres an einem Film über das Segeln und dem dazugehörigen Soundtrack. 


Mittlerweile sind alle 15 Songs, die ich während meiner Reise geschrieben habe, in einem Studio in Hamburg (mit insgesamt 30 beteiligten Musikern) fertig aufgenommen worden und werden aktuell gemischt. Vier Titel werden nun rechtzeitig zur HANSEBOOT fertig und ich freue mich darauf, diese nun endlich in ihrer endgültigen Fassung vorstellen zu können. 


Ich habe wieder einmal viel Leidenschaft in die Vorbereitung der Show gesteckt und würde mich daher natürlich über Zuschauer freuen. Die Show am Mittwochabend kann sicherlich ein schöner Abschluss eines Messetages sein und ich verspreche interessante Texte, tolle Bilder und vor allem gute Musik, damit wir wunderbar zusammen feiern können.

Termine auf der Bühne "Leben an Bord" in Halle B1/Obergeschoss 

Mittwoch, den 4.11. 1830h-1930h
Donnerstag, den 5.11. 1300h-1330h

Montag, 19. Oktober 2015

eBooks - Surfen statt Lesen


Bevor ich mich in letzter Zeit mehr mit dem Thema eBooks beschäftigen musste, ging es mir wie vielen mit denen ich nun über dieses Thema spreche. Deutlicher Tenor: Ein Buch ist nur ein "echtes" Buch, wenn ich es auch gedruckt in der Hand halte. Zum Lesen gehört wohl auch das Anfassen, das Umblättern und das Gefühl ein Buch zum Lesen eben in die Hand nehmen zu können. Und da wir sowieso schon von so viel Kleinelektronik mit Displays umgeben sind, ist man sicher oft auch froh über eine Alternative. Mir ging und geht es prinzipiell genauso und ich würde einen unillustrierten Taschenbuchroman jederzeit der elektronischen Variante vorziehen. Trotz des höheren Preises. Ich liebe ja auch das Gefühl morgens eine echte Tageszeitung zum Anfassen neben dem Kaffee liegen zu haben. Eben Nostalgie pur....


ABER! Und nun kommt mein Zugeständnis an die moderne, digitalisierte Welt. Die Bilder in der Tageszeitung sind eben überwiegend nur schwarz-weiss, auch sind keine Videos eingebunden. Und so benutzen dann auch viele facebook als eine moderne Tageszeitung, voller Klatsch und Tratsch, voller unterschiedlichster Meinungen und Sichtweisen, geschrieben von "Freunden" und eben voller bunter Bilder; bewegt oder unbewegt. Mit Musik unterlegt oder stumm. Irgendwie die ultimative, individuell angepasste Regenbogenpresse des digitalen Zeitalters. Das gleiche gilt natürlich auch für die diversen Online Nachrichtenplattformen und Blogs. Sie sind einfach bunter und lauter und vielseitiger als es jede Druckausgabe sein kann. Und manchmal dabei auch zu laut. Daher ziehe ich morgens immer noch die altmodische Printvariante vor. 


 Wir haben uns doch unbewusst schon längst an diese beiden Welten, mit all ihren Vor- und Nachteilen gewöhnt. Doch dem eBook fehlt häufig  noch die entsprechende Akzeptanz und die meisten Bekannten sagen mir, sie würden lieber mehr Geld für z.B.die gedruckte Version meines Buches ausgeben. Ich möchte hier deshalb einmal deutlich darauf hinweisen, das ich "SchärenSegeln" bewusst als ein Buch für beide Welten angelegt habe. Neben dem reinen Text der Geschichten haben die Bilder und Links zu Videos einen deutlich höheren Stellenwert erhalten als in einem "normalen" Buch. Und man kann und soll in meinem Buch auch blättern und springen können, wie es einem beliebt. Und muss nicht ein Eselsohr in Seite 265 machen, damit man den Anschluss nicht verpasst. Denn auf jeder Seite gibt es etwas Neues zu entdecken, ob Text, Bild oder Video. Das wurde mir auch selbst erst richtig beim Zusammenstellen der Inhalte bewusst und hat meine Einstellung zu eBooks damit nachhaltig verändert. 



Die Bilder (im eBook natürlich alle vollfarbig) wirken auf einem entsprechend großen Display auf schwarzem Hintergrund einfach noch intensiver und leuchtender, und sind von mir auch auf diese Darstellung hin  optimiert worden. Alle Links zu Videos, Musik oder Extrainfos sind direkt anklickbar und das Durchstöbern des Buches wird so eben zu einem richtigen Multimediaerlebnis, wie wir es von facebook her kennen. Als ich die erste Vorabversion des eBooks erhalten habe, hat mich das selbst überrascht. Es macht einfach einen Riesenspaß durch ein Buch zu "surfen", anstatt es wie gewohnt Seite für Seite zu lesen. 


In der Printversion haben wir die Links zu externen Inhalten mit QR-Codes umgesetzt und in der Standardversion sind viele Bilder lediglich in Schwarz-Weiss um einen vernünftigen Preis realisieren zu können. Denn Farbdruck ist nun einmal recht teuer. Und so wird am Ende ein gedrucktes Buch in angemessener Qualität daher immer kostspieliger als ein eBook sein. Andererseits kann ich es selber kaum abwarten die nun endlich erhältliche Druckversion in den Händen zu halten. Denn irgendwie möchte ich das Buch auch "wirklich" besitzen und in mein Regal stellen können. Das ist mir in elektronischer Form dann doch immer noch zu virtuell. Oder bin ich einfach zu altmodisch?

Montag, 5. Oktober 2015

Einhandsegeln - Leben am Abgrund


Nachdem ich unlängst von dem Tod eines Segler gelesen habe, der in Sichtweite von Warnemünde überbordgegangen und ertrunken ist, mache ich mir so meine Gedanken. Es herrschte zur Unglückszeit recht wenig Wind und Welle und das Wetter war gut. Der Segler trug fatalerweise keine Rettungsweste und ging angeblich sehr schnell unter. Die vorherige Überfahrt ging einige Stunden von Gedser bis eben nach Warnemünde. Entweder hatte er die (in diesem Fall eventuell rettende) Weste gar nicht erst angelegt oder, leider sehr menschlich, irgendwann wegen das guten Wetters und der angenehmen Bedingungen abgelegt. Und dann in Sichtweite des Hafens für als nicht mehr nötig befunden. Bis auf die ganz Vernünftigen unter uns Seglern, ein sicherlich nachvollziehbares und selbst schon häufig gelebtes Verhalten. Ich jedenfalls bekenne mich schuldig.

Lifeline und Lifebelt

Dabei habe ich als Einhandsegler nicht mal eine Crew, die mir zur Hilfe kommen könnte. Sollte ich ohne Weste und Lifebelt über Bord gehen, würde es daher schon sehr viel Glück und ein sehr gnädiges Schicksal bedürfen, um nicht das sichere Ende zu bedeuten. Einmal mehr nachdenklich geworden nehme ich mir zum wiederholten Male vor, noch sicherheitsbewusster zu sein. Was ich bei meinen Mitseglern nicht durchgehen lassen würde, erlaube ich mir merkwürdigerweise alleine. Schon merkwürdig. Und die Gefahr lauert ja weniger in den Stürmen oder hohen Wellen. Denn da ist sie zu offensichtlich. Man trägt sowieso Lifebelt und ist generell übervorsichtig in solchen Situationen. Nein, die Gefahr lauert, so wie hier, in der Gewohnheit und der Routine. Mal eben noch schnell aufs Vorschiff gehen um die Leinen klarzumachen oder die Fender bereitzulegen, kennt man doch...

Ohne Bugkorb und Seezaun würde man sich hier anders bewegen
An meinem zweiten Einhand-Segeltag überhaupt, wäre ich auch einmal von einer Motorbootwelle beinahe Überbord geschüttelt worden. So früh in der Segelkarriere war es mir aber eine gute Lehre. Wie schnell hätte aus einer lockeren und relaxten Fahrt etwas sehr Gefährliches werden können, indem es einem mal eben schnell die Füße wegzieht. Eine weitere prägende Erfahrung war das simple Betreten eines Folkebootes. Diese haben ja weder Bugkorb noch Seezaun. Und so tritt man mit einem langen Schritt auf das nackte Deck. Und jeder der das das erste Mal macht, stellt sich dabei übervorsichtig und ungelenk an. Und mal ehrlich: wie sehr schützt einen ein 50cm hoher Seezaun denn wirklich, wenn man aufrecht stehend auf dem schwankendem Deck läuft? Nicht sehr viel, denke ich.

 Statt so...

Langer Rede, kurzer Sinn: Diese beiden Erlebnisse plus sehr viele Törns einhand haben bei mir ein Gedankenmodell  erzeugt, das mir nun immer zur Seite steht. Ich habe nämlich durchaus etwas Höhenangst. In meinem Gedankenmodell beginnt neben dem Boot daher ein sehr tiefer und garantiert todbringender Abgrund. Denn nichts anderes ist das Meer ja für mich, wenn ich einhand segele. Falle ich hinein, falle ich in den Abgrund. Aus. Vorbei. Wie viel vorsichtiger würden wir uns wohl an Deck bewegen, wenn sich ein realer tiefer Abgrund nebem dem Boot befände und nicht "nur" das Meer? Bestimmt würden wir nicht mal schnell aufrecht nach vorne eilen...sondern schön auf allen Vieren mit klopfendem Herzen, oder? Und wohl auch immer mit Gurt (Lifebelt) und Fallschirm (Rettungsweste)? Mir hilft dieses Gedankenmodell enorm, da ich mich nun unabhängig von den Bedingungen immer extrem umsichtig und vorsichtig an Deck bewege. Und vor allem meinen Körperschwerpunkt IMMER über dem Boot halte. Wenn ich mich dann einfach zusammensacken lasse, lande ich wenigstens auf dem Boot und nicht im Wasser. Ich lasse immer eine Hand an den Handläufen bis zu den Püttingen der Wnaten und dann geht es im Sitzen weiter oder maximal in fast gebückter Stellung. Und immer schön vorsichtig und der Gefahr des neben mir lauernden Abgrundes bewusst. Und eben auch immer bei augenscheinlich ungefährlichen Bedingungen.

...lieber so!
Das ist natürlich auch keine ultimative Sicherheitsgarantie, aber sollte doch zumindestens ein Überbordgehen aus Unachtsamkeit deutlich erschweren. Auch wenn Rettungsweste und Lifebelt für Einhandsegler selbstverständlich sein sollten, können sie aber  auch nicht ein Überbordgehen zuverlässig verhindern. Die Vorstellung eines Lebens am Abgrundes mag, gerade für etwas höhenängstliche Menschen, da durchaus hilfreich sein. Mir jedenfalls hat dieses Gedankenmodell schon sehr gute Dienste geleistet. Stellt euch einfach mal vor wie ihr euch auf See an Deck eines Bootes ohne Seezaun (also z.B.: eines Folkebootes) bewegen würdet. Doch schon etwas anders, oder?

Foto: