Montag, 26. Mai 2014

Logbuch - Samstag, den 24. Mai 2014






Logbuch - Samstag, den 24. Mai 2014
Standort: Torhamn
Sonnig und hochsommerlich


- Über die Stationen Hasle und Hammerhus (wie schon berichtet) ging es nach Gudhjem auf der Ostseite Bornholms. Dieser Segeltag war bisher der Einzige mit beständigen 3-4 Bft und wenig Welle...laut Statistik der häufigste Wind auf der Ostsee. Kann ich nicht bestätigen, entweder nix (nachts) oder mindestens 5 ist meine Erfahrung.Der Mittelwert wäre dann ja 2,5?? Gudhjem hat fast mediterranes Flair mit seinem in die Felsen gesprengten Häfchen und einem Hafenvorplatz, fast schon Piazza della Gudhjem, mit seinen Cafes und Rieseneistüten. Das Wetter passte dazu, es fühlte sich wirklich an wie Klein-Portofino. Beim Anlegen half mir Bam, der normalerweise ein Ferienwohngemeinschaft am Vorarlberg anbietet (Gäste haben eigene Zimmer, aber es gibt eine gemeinsame Küche in der zusammen gegessen wird...interessant, WG-light zum reinschnuppern), die wohl ganz gut läuft. Ich habe ihn gleichaltrig  eingeschätzt, er ist aber schon 61. Das muss wohl an den vielen Spaziergängen und seiner Lebensweise liegen, Respekt. Er half mir beim Anlegen und spendierte auch gleich ein Flens...so lässt es sich ankommen!! Wegen des hohen Hafengeldes war wieder Bordküche angesagt, aber die Riesenkugel Eis musste sein. Als alles so schön war kamen dann die Charterer aus Hasle in den Hafen und richteten das übliche Chaos an. 10 deutsche Männer  in meinem Alter alleine unterwegs, ganz üble Mischung aus Stammtisch, Zoten, Bierlaune und chronischem Langweiler-, Besserwisser- und mit High-Tech Kamerasrummrennertum! Wo bleibt meine Toleranz? Na gut wie zu erwarten, war bei denen dann auch um 0500h Aufbruch. Und um 0800h kam der Presslufthammer, alles sehr ungemütlich. Nach nem langen Schnack mit Bam, bin ich dann gegen Mittag auf nach Christinasö.


 Der knallbunte Eisladen von Gudhjem



Das Boot vom Bam




Guten Morgen, du Schwein :-)

- Was eigentlich ein schneller Ritt werden sollte, entpuppte sich schon in der Hafenausfahrt als Kampf gegen Wellen und Wind. Noch bin ich zum Glück so diszipliniert, das immer alles an seinem Platz liegt und das Boot immer absolut seeklar vorbereitet ist, auch wenn ich nur mit einer kurzen Fahrt rechne. Das Gegenteil habe ich auch schon erlebt, da ist danach das ganze Boot umgekrempelt, Sachen sind kaputt und  die Segelmanöver werden schnell gefährlich in der Eile. Spiessig, aber leider notwendig :-) Zweieinhalb Stunden später lief ich völlig erledigt in den Hafen der kleinen Insel ein, nachdem auch die Einfahrt wegen der hohen Welle abenteuerlich war. Da ich nichts vorbereiten konnte, war auch das Anlegen eine echte Katastrophe..aber fest ist fest. Christiansö ist eine alte Festung der Dänen und wirkt sehr mittelalterlich. Auf der Insel ist ALLES geschützt. Nur nicht das Portemonnaie der Tagesgäste die mit Fähren rangekarrt werden. Ich konnte lange spazierengehen und die hobbithaften Häuschen der Insulaner bewundern, lustig!! Um 1615h fährt die letzte Fähre ab und die Hobbits kommen aus ihren Nestern um vor dem Kaufmann eine lustige Tuborg-Runde zu eröffnen. Hier ist man als Fremder nicht erwünscht, also habe ich endlich mal Wäsche gewaschen...von Dusche bis Waschmaschine war alles vorhanden und das ausnahmsweise mal nur für €20.- die Nacht. So gabs dann mal HotDog und Cola zur Belohnung. Abends gesellte sich noch ein Schwede zu mir, der ebenfalls alleine unterwegs war. Aus dem kurzen Schnack wurde ein langer und nach seinem Hinweis auf die hohen Alkoholpreise in Schweden, verstand ich und kramte den guten  Single Malt hervor. Gemeinsam trinkt es sich doch schöner und der Whiskey scheint in Schweden unbezahlbar zu sein. Aufbrechen wollten wir beide Richtung Schweden gegen 0600h. Beim Aufwachen heulte der Wind, eine hohe Welle stand in den Hafen und mein Single Malt Kopf riet mir vom Auslaufen ab. Der schwedische Kollege zog aber trotzdem los und führte einen wahren Rodeoritt in der Hafeneinfahrt auf. Als dann noch seine Rollfock ausrauschte und er fast auf die Klippen fuhr, drehte ich mich um und legte mich zufrieden wieder ins Bett. Beim Aufwachen um 0930h war alles anders...weniger Wind, weniger Welle und Sonnenschein. Alarmstart...schliesslich musste ich die Zeit wieder aufholen.






- Der Südostwind kam mit 4-5 Bft. perfekt. Und ich rauschte (für meine Verhältnisse) nur so dahin...bis zur Dampferautobahn. Hier wurden mir immer wieder Schauergeschichten erzählt. Über eine Breite von 6 Seemeilen fahren die großen Dampfer in mehreren Spuren auf diesen Deep Water Ways. Da quer hindurchzusegeln ist tricky, da die Kisten sehr schnell unterwegs sind, schlecht ausweichen können bzw. wollen. Es gibt noch die Steigerung der Verkehrstrennungsgebiete,  in denen man als Segler völlig entrechtet wird, hier konnte ich zumindestens meinen Kurs halten, auch wenn das dann 10 Seemeilen Autobahnquerung bedeutet; knappe 2 Stunden. Zunächst sah alles noch harmlos aus, dann kamen aber gleichzeitig 4 Schiffe von rechts. Ein Riesenkreuzfahrer, die Finnlandfähre aus Kiel, ein Rostkasten und ein mittleres Containerschiff. Also erstmal stoisch Kurs halten, in der Theorie habe ich als Segler sogar Kurshaltepflicht. Und siehe da, AIDA und Kolcher weichen aus und lassen mich durch. Finnland kommt mir zu nahe, also 5 Grad abfallen, leider ebenso der Container. 10 Grad Höhe verloren in einer Stunde, das änderte leider den gemütlichen fast Halbwindkurs in  einen ruppigen Amwindkurs, gegen, wie sollte es anders sein, wieder einmal enorme Wellen. Dafür war auf der Gegenfahrbahn nichts los. Aber die 3 Stunden nach Utklippan, rüttelten mich mal wieder ordentlich durch. Das liegt sicher auch an dem Dimensionen meiner Plastikschüssel, die sich Segelboot nennt. 3 Meter Breite bei nur 8,50 Metern Länge und der flache Bauch tauchen einfach nicht durch die Welle. Aber nicht jammern, schliesslich war das die letzte Etappe des Meilenfressens. Schweden lag voraus, und von nun an wird es mehr ein gemütliches Küstenhangeln, als das bisherige übers Meergejuckel.

- Dann tauchte auch Utklippan am Horizont auf. Es fasziniert mich immer wieder und immer noch, das, wenn man dem GPS stoisch folgt, am Ende immer die Ziele auftauchen. Ist ja eigentlich logisch, aber nach der Fahrt durch das leere und unformatierte Wasser immer wieder wie ein Wunder. Land, Land...wie muss das "damals" ohne GPS gewesen sein? Jetzt noch einmal zusammenreissen, denn die Einfahrt ist ein wenig anspruchsvoll und mit einigen Untiefen versehen. Klingt aber im Hafenführer schlimmer als es in der Realität ist, wie so häufig..naja besser als anderherum. Fest, Motor aus, Bordküche, die üblichen Fragen (bei den Wellen, alleine?) und ab ins Bett, bin irgendwie völlig platt. Ich denke die langen Strecken nagen mehr an mir, als ich merke. So vieles muss zusammenpassen und so vieles kann schiefgehen. Auf jeden Fall fühle ich mich am nächsten Morgen so viel besser, das es nicht nur am langen Schlaf gelegen haben kann. Utklippan besteht in der Tat nur aus zwei Felsen mitten im Meer.  (Das eigentliche Land kommt erst ein paar Meilen später). Eine Insel mit Hafen, eine mit Leuchtturm und jeder Menge aggressiver (ob der Brut) Vögel. Dazu kein Strom, kein Klo, kein Hafenmeister, kein Automat, kein nix. Spart zumindestens Geld...welches am nächsten Tag in eine Risenpizza investiert wird.





- Morgens ist der Wind völlig weg, aber ich will eh  nur 12 Meilen nach Torhamn. Auf dem Weg zur Einfahrt in die Schären, taucht im Dunst eine Fähre auf...das sieht immer so nah aus, sie ist aber weit genug voraus.

- Mein Kumpel Mike hat mir seine Seekarten von dem Revier geliehen, witzigerweise folge ich genau seinem Kielwasser, was er vor ein paar Jahren hier hinterlassen hat und kann die Wegpunkte direkt übernehmen. Danke Mike! Nun folgte meine erste Einfahrt in die Schärengewässer in denen man wegen der Felsen sehr genau navigieren muss. Es ist aber alles gut betonnt und erinnert mich an die Schlei bzw. die Gewässer um Marstal. Kein Problem, aber man sollte nicht abkürzen oder leichtsinnig werden...und immer das Kielwasser im Auge behalten, damit man nicht hinten raus vertreibt, obwohl man vorne vermeintlich richtig auf die Tonnen zuhält...das ist mir in der Ausfahrt von Orth einmal passiert und nur mein Tiefenalarm hat mich gerettet..(und gestern vor Karlskrona wieder; ich muss noch mehr aufpassen, verdammt!!).
- Um 1100h dann schon fest in Torhamn. Das ist Schweden wie aus dem Bilderbuch. Die typischen roten Häuserhütten, der blaue Himmel, die Ruhe, die Sonne. Es fühlt sich jetzt schon an wie Mitte Juli, geniaaaaal!! Ein langer Fussmarsch führt mich ins Dorf und in eine Pizzeria...nach 3 Tagen Bordküche ein Muss :-) Daneben der Supermarkt, der Zentrum des Lebens in diesen kleinen skandinavischen Städtchen. Nirgendwo eine Menschenseele, aber der Supermarkt  hat bis 2200h geöffnet und ist belebt. Den Rest des Tages habe ich vergammelt, gelesen, Kaffee getrunken, aufs Meer gesehen, in der Sonne gebraten, fotografiert und am Blog geschrieben. Perfekt! Morgen gehts dann in großstädtische Karlskrona, auch wieder nur ein 2 Stunden Törn durch die Schären. Das tut gut nach den 300 Seemeilen die ich jetzt laut Logbuch hinter mir habe. Vor 2 Monaten war ich mir noch alles andere als sicher, ob ich es wirklich bis hierher schaffe :-) Kinderspiel...




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