Samstag, 29. November 2014

Doppelt an Bord


Gestern war ich nun nach knapp 5 Wochen auf meinem Boot. Ich hatte es fast fluchtartig ausräumen und verlassen müssen, da ich einen Miettransporter gebraucht habe um alles Gerödel von Bord zu schaffen. Mein Boot an Land auf dem Lagerbock sehend, fiel mir zunächst das letzte fürchterliche Winterlager in Großenbrode ein, in dem ich fast ununterbrochen am Boot unter der Plane gearbeitet habe um die Schäden am Sandwichlaminat des Decks zu reparieren. Doch als ich dann über die Leiter an Bord kam, drehte sich die Zeit ruckartig zurück und ich fühlte mich wieder wie mitten in meiner Reise. 


Jede Bewegung, jedes Festhalten, das genaue Kopfeinziehen beim Gang unter Deck, ja generell das Gefühl für den begrenzten Raum sind im Muskelgedächtnis noch so exakt gespeichert, das ich ich mich mit verbundenen Augen an Bord bewegen könnte ohne irgendwo anzustossen. So als wäre das Schiff ein Teil von mir geworden; bot es mir doch 160 Tage meinen, wenn auch beengten, Lebensraum.


Die Kaffeekanne stand noch herum, ein paar Konservendosen und Wasserflaschen sowie einige Bücher in den Schwalbennestern;als wäre ich nocn unterwegs. Ich nahm mir erst einmal einen Moment Zeit um meine Gefühle zu verarbeiten. Es war als gäbe es mich zweimal: Einmal der Reisende in seinem Boot, der ausser seinen paar Quadratmetern Raum nichts zum Glück braucht, immer weiterzieht und nach jedem Anlegen den Rest des Tages geniesst ohne auf die Uhr zu schauen. Aber gleichzeitig war ich auch der Angekommene mit seinem festen Wohnsitz, umgeben von Frau und Freunden. Mit neuen Plänen, Ideen und irgendwie ständig zuwenig Zeit um diese alle zu realisieren. Ich hätte schwören können, in diesem Augenblick kurz doppelt an Bord gewesen zu sein. Ein verrückter Augenblick!

Ich weiss nicht, ob es je gelingen kann und wird, beide Personen wieder in mir zu vereinen... 

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