Samstag, 6. Dezember 2014

Aus Fehlern lernen (Folge 3)



Die Schadensbilanz meiner Reise: Das Gelcoat  hat zwei Macken aus missglückten Anlegemanövern und das Ruder eine tiefe Schramme von einer Ankerkette abbekommen. Eine bei 101 angelaufenen Häfen und Buchten sowie rund 65 Schleusen, meistens Einhand, ja noch übersichtliche Manöverbilanz.

Welche Lektionen habe ich nun daraus gelernt und was kann ich weitergeben? Nachdem sich Folge 1 und 2 ja mit den real entstandenen Schäden an meinem Boot beschäftigt haben, komme ich nun zu den Beinahekatastrophen (zum Thema Ankerkette und Ruderblatt gibt es nur zu sagen: Da hätte ich einfach besser aufpassen müssen!)

Die wohl übelste Situation der ganzen Reise spielte sich in den Schären nach Arkösund auf dem Weg zum Götakanal ab. Es war mit 5-6Bft. auf der offenen See recht windig, in den Schären stellt sich das aber immer anders dar. Mal folgt der Wind einem vorhandenen Fahrwasser, mal dreht er überraschend, wenn er um eine Insel herumpfeift. So wechselhaft wie die Richtungen sind auch die Windstärken und genau das führte beinahe zur Katastrophe. Ich dümpelte gerade mit 1,5 Knoten zwischen drei Schären herum und musste meine Pläne für den abendlichen Hafen ändern, da ich entweder (wie jetzt) kaum vorwärts kam oder aber gegenan kreuzen musste. Dazu setzte ich den Pinnenpiloten auf die Pinne und drückte den Knopf für das automatische Kurshalten. Hier passierte der Fehler Nummer Eins: ich drückte wohl zu halbherzig, und die Pinne war nun nur einfach festgestellt, jedoch ohne die automatische Kurshaltung. 


Darauf folgte Fehler Nummer Zwei: Ich ging unter Deck um in den Hafenführern nach Alternativen zu suchen. Aufgrund des lahmen Segeltempos völlig relaxt. Erst die deutsche Ausgabe, dann noch die Englische, ein Vergleich auf der Karte...hmm ja könnte passen. Währenddessen entstand oben wohl die folgende Situation: Der Wind drehte und frischte auf während das Boot seinen Kurs änderte. Es holte dabei nicht über, sondern wurde einfach nur schneller und ging immer mehr vor den Wind. Unter Deck spürte man keine Veränderung. So kam ich dann auch arglos zurück an Deck und merke gleich das hohe Tempo. Der Blick nach vorne führt dann zum Glück zu einer Blitzreaktion. Ich reisse den Pinnenpiloten von der Pinne und selbige hart herum. Nur noch drei Bootslängen trennen mich von der Kollision mit einer hohen und bewaldeten Schäre, die mein Boot bei diesem Tempo wohl kaum heil überstanden hätte. Knapper hätte es nicht sein können. Und noch minutenlang schrie ich mich inmitten der sonst so ruhigen Natur selbst zusammen.



Was gibt es daraus zu lernen? Einhand inmitten von Schären nimmt man die Hafenführer mit ins Cockpit..ganz einfach. Und danach ein neues Gesetz an Bord :-) 





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