Donnerstag, 11. Dezember 2014

Wenn der Tag schon so beginnt...


Natürlich wieder auf den letzten Drücker musste nun die Plane über das Boot. Ich bin schon gestern nachmittag ins Winterlager gefahren, da man dort auch günstig übernachten kann. Und man kann morgens dann sofort loslegen. Da es im Werftbüro morgens etwas lauter zugeht, hatte ich Oropax in den Ohren. Nur abgeschlossen hatte ich nicht. So steht dann plötzlich in der Dunkelheit ein älterer Herr direkt über meinem Bett und brüllt mich an; wahrscheinlich schon etwas länger. Warum und wieso ich in seinem Bett läge und überhaupt, er hätte mein Auto vor der Tür gesehen und sich gedacht, mich hier zu finden! Es scheint sich um den Familienältesten der dortigen Dynastie zu handeln, daher wohl der Ausdruck MEIN Bett. Ich: "Ich hatte das gestern kurzfristig mit ihrer Angestellten abgesprochen und auch den Schlüssel von ihr erhalten". "Ach so, na dann ist ja gut! Und was willst du machen?". "Holzgerüst und Plane rechtzeitig vorm ersten Schnee". "Kannst du vergessen. Mistwetter stürmt, regnet und schneit, das wird heute nix". Rummms, die Tür knallt zu. Naja, das wäre sicher auch etwas anders gegangen. Morgens, 8.00h in Deutschland und mir wird kalt ums Herz.

In der Tat regnet es senkrecht gegen die Scheiben und es bleibt unter den dicken Wolken finster. Aber es muss sein, es ist einfach der letzte Termin. Ab in die mitgebrachten Segelklamotten und hinaus in den Regen. Beim Bau des Gerüstes stört der Wind nicht, es wird eben nur alles sehr nass; inklusive mir. So ein wenig Sorgen mache ich mir nun aber schon um das Überlegen der Plane, die Windböen haben es in sich und kommen ohne Vorwarnung. Böse Erinnerungen an das letzte Jahr sitzen auch noch im Kopf. Gegen Mittag sieht es dann so...


 
...aus, und kurze Auflockerungen machen Hoffnung.

Also kommt nun die sauber zusammengefaltete 10x8 Meter Plane aus dem Auto und rüttelt sofort im Wind. Schon beim Auseinanderfalten merke ich, das es draussen nichts werden kann. Also ab in eine offene Halle und alles so falten, das die Plane von oben nur links und rechts neben das Boot fallen muss. Den sperrigen und nassen Haufen dann mit der Trittleiter auf das Boot gewuchtet und in Position gebracht. Die Arme schmerzen danach. Eine kurze Windpause und herunter fallen die Seiten, nun schnell nach unten und erstmal festbändseln. Auf halbem Weg, natürlich, eine fette Windboe. Die ganze Plane hebt ab und geht mit 80 Quadratmetern in den Wind. Ich zerre eine Ecke zu Boden und springe einfach drauf. Knülle alles mit meinem Gewicht zusammen. In diesem Moment beginnt es wie aus Eimern zu schütten. Die Jacke hatte ich aufgrund der Körperwärme durch die Arbeit abgelegt, kann aber die Plane nun nicht loslassen und werde daher komplett nass. Der Haufen zerrt im Wind und es dauert eine Ewigkeit bis ich die 80qm wieder zusammengerollt und gebändigt habe.

Neue Idee: Abrollen vom Bug zum Heck. Könnte klappen...hat es aber bisher heftig geregnet, fängt es nun an zu schütten wie aus Kübeln. Eine Wolkenfront geht durch. OK, erstmal Mittagspause. Eine Stunde Ruhe vor den Elementen. Allerdings ist das Essen im einzigen Imbiss vor Ort nur lauwarm und ich bis auf die Haut nass, und auch schon fern ab von meckern oder neubestellen. Bloß nicht die Arme und Hände bewegen. Nur ins Leere starren. Alles tut weh vom Greifen der sperrigen Plane.

Und in der Tat, der Regen nimmt ab und auch der Wind wird schwächer. Los nun! Die Plane wie einen Teppich rollen und wieder auf das Boot wuchten. Doch der Plan geht auf, Stück für Stück rolle ich die Plane aus unf fixiere sie untem am Trailer. Rauf und Runter, und immer durch die Holzbalken. Hindernislauf. Ich hoffe, ich vergesse diese Methode nicht bis zum nächsten Jahr! Kaum ist soweit alles zumindestens vor dem Wind geschützt, setzt wieder strömender Regen ein. Die Bändselei durch alle Ösen dauert ewig, ich werde noch nasser (wie auch immer das noch geht) und durch den mit einem Mal eisigen Wind wird mir eiskalt und die Hände frieren ein. 

Gut, jetzt durchhalten, viel schlimmer kann es ja nun nicht mehr werden. Doch kaum habe ich das gedacht, beginnt es zu Blitzen und zu Donnern und es fällt eisiger Graupel. OK, geht doch noch schlimmer! Jetzt hat mich der Wahnsinn schon voll im Griff und ich kann nur noch irre lachen und mich über mein "tolles" Hobby freuen. Alle Jahre wieder!


Andere Menschen bauen um diese Jahreszeit Krippen, wir Segler (so nicht in der Halle) bauen eben diese Konstruktionen. Egal nun ist der Mist erledigt und ich bin endgültig komplett durchgefroren und erschöpft, wie ich aber erst im warmen Auto an meinem Zittern merke.


Durch die Heizung im Auto und eine grossen Cafe wieder aufgetaut, stand bei mir dann der traditionelle Hafenspaziergang an der Ostsee (diesmal Eckernförde) mit Restaurantbesuch an. Das ist immer so der Übergang von einer Saison zur anderen bei mir. Ja, und dann stehe ich  nun am Hafen und denke glücklich an meinen langen Segelreisesommer. Und werde gleichzeitig sentimental. Die Erinnerungen sind schön, aber eben nicht so schön wie das Mittendrinsein. Ich kann mich noch gut erinnern, ja, an die Fakten und Häfen und Buchten. Aber etwas anderes ist irgendwie verloren. Die Freiheit, die Aufbruchsstimmung, das Abenteuer...ich weiss es nicht genau. Und bin mir sicher, das ich mich niemals sattreisen kann. Es wird nie reichen, ich werde immer neugierig sein und um die nächste Ecke schauen wollen. Und kann es kaum abwarten wieder die Leinen zu lösen....es macht offensichtlich am Ende keinen Unterschied, wie lange man wegfährt. Hauptsache man tut es!!

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